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graswurzelrevolution
394 dezember 2014
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ökologie
>> 394 dezember 2014

Raus aus Kohle und Atom!

Es regt sich Widerstand gegen die Klima-Killer im Rheinischen Revier

Am 16. November 2014 erklärte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, dass das Klimaziel der Bundesregierung nicht mehr zu halten sei. "Grund ist vor allem die Weigerung des Ministers, alte Kohlemeiler abzuschalten", so der SPIEGEL. Den katastrophalen Folgen des Klimawandels zum Trotz will der Kohlekonzern-Lobbyist Gabriel weiter auf Kohle-Nutzung setzen. "Man könne Atomenergie und Kohle nicht zeitgleich verbannen." Pah! Der sofortige Ausstieg aus Atomkraft- und Kohlenutzung wird nicht von Lobbyisten und ihren Regierungen durchgesetzt, sondern von sozialen Bewegungen. Wir werfen einen Blick auf das Rheinische Braunkohlerevier sowie den Widerstand gegen Klima-Killer und für eine echte Energiewende. (GWR-Red.)

Die Chance ist da. 2015 könnte das Rheinische Revier zu einem Brennpunkt sowohl der jungen Anti-Kohle-Bewegung als auch der seit 40 Jahren aktiven Anti-Atom-Bewegung werden.Es liegt auf der Hand. Kohle und Atom sind sich hier ganz nah.

Mitten im Rheinischen-Braunkohle-Revier, zwischen den Braunkohle-Tagebauen Inden, Hambach und Garzweiler befindet sich im Forschungszentrum Jülich ein verstrahlter Reaktor und Atom-Müll, der aktuell in die USA exportiert werden soll.

Vielfältige Protest- und Widerstandsaktionen sind von beiden Bewegungen auch für 2015 geplant. Schauen wir genauer hin.

Das Rheinische Braunkohlerevier ist ein Dauer-Katastrophengebiet

Bekannter ist schon die Tatsache, dass hier durch jährlich ca. 100 Millionen Tonnen CO2-Emissionen die globale Klima-Katastrophe von RWE, dem Klima-Killer Nr.1 in Europa, mit verursacht wird.

Aber wer zum ersten Mal die drei riesigen Tagebaue im Westen von Köln sieht, kann das Ausmaß an den weiteren Zerstörungen kaum glauben.

Hier "fressen" sich täglich 24 Stunden die größten Bagger der Welt immer weiter und bis zu 450 Meter tief in die Erde und verursachen die Zerstörung wertvoller Landschaften: über eine Million Bäume des ursprünglichen Naturschutzgebietes "Hambacher Forst" sind schon gerodet, viele Dörfer, wertvollste Acker-Böden sind schon in den zusammen ca. 170 Quadratkilometer großen Tagebauen verschwunden.

Ca. 40.000 Menschen sind schon "umgesiedelt" worden, viele erleben das als "Vertreibung".

Fünf gigantische Braunkohle-Kraftwerke verursachen gefährliche Emissionen. Diese "Wolkenmacher" emittieren neben dem CO2 u.a. auch Arsen, Stickoxide und das starke Nervengift Quecksilber.

Atom-Müll und verstrahlter Reaktor im Rheinischen Revier, in Jülich

In Jülich lagern aus der Betriebszeit des dortigen Kugelhaufenreaktors (AVR) noch 300.000 strahlende Brennelementkugeln in 152 Castoren. Da dem veralteten Lager von der zuständigen Aufsichtsbehörde die Betriebsgenehmigung entzogen wurde, prüft man aktuell, diesen Atommüll zum militärischen Atomkomplex Savannah River Site in den USA zu exportieren.

Jeder Transport von Atommüll bedeutet ein erhebliches Risiko, für den Abtransport aus Jülich wären 38 (!) Castortransporte durch Deutschland nötig.

Darüber hinaus hat am 11. November 2014 die hochgefährliche Verlagerung des 1988 nach etlichen Störfällen stillgelegten AVR-Reaktordruckbehälters in Jülich begonnen.

Nach einem jahrelang vertuschten schweren Störfall im Jahr 1978 ist nicht nur der Reaktordruckbehälter verstrahlt, sondern auch der Boden darunter u.a. mit Strontium-90, Cäsium-137 und Kohlenstoff-14. Dieser radioaktiv verseuchte Untergrund soll freigelegt und saniert werden.

AtomkraftgegnerInnen haben seit Monaten vor dem weltweit einmaligen und riskanten Manöver gewarnt, den 2.100 Tonnen schweren Versuchsreaktor im Forschungszentrum Jülich umzukippen, um diesen in ein ca. 200 Meter entferntes Zwischenlager zu transportieren.

Braunkohle und Radioaktivität - Die Bagger wirbeln radioaktiven Feinstaub auf

Täglich werden allein im Tagebau Hambach ca. 3 Millionen und 170 Tausend Kubikmeter Erde, Abraum und Kohle hin und her bewegt durch die größten Bagger der Welt.

So werden sowohl Grob- und Feinstaubpartikel als auch das überall im Boden vorkommende URAN in schier unglaublicher Menge in die Luft und ins Grundwasser emittiert: ca. 250 Kilogramm am Tag.

Das natürlich vorkommende Uran-238 zerfällt schnell in zahlreiche Radionuklide: Radium-226, das Edelgas Radon-222 und Polonium 210, also radioaktive Alphastrahler. Die radioaktiven Isotope verbinden sich mit den lungengängigen Feinstaub-Partikeln. Feinstaubpartikel sind mikroskopisch klein: Sie sind Teilchen die lediglich einen Durchmesser von weniger als 0,01 Millimeter haben.

Das radioaktive Zerfallsproduktes Radon-222 (Halbwertszeit: ca. 4 Tage) kann über den im Tagebaubetrieb unvermeidlich austretenden Kohlestaub in den menschlichen Organismus gelangen.

Nicht nur für die Beschäftigten besteht diese Gefahr, sondern auch für alle in der Westwindzone wohnenden Menschen bis in den Kölner Raum. Tochternuklide der natürlich in der Kohle und dem Abraum vorkommenden radioaktiven Stoffe werden über den Feinstaub, und das abgepumpte Wasser in die Umwelt freigesetzt.

Aber nicht nur die Tagebaue emittieren radioaktive Stoffe, sondern auch die Braunkohlekraftwerke. Bereits 1978 wies das US-amerikanische Oak Ridge National Laboratory (ORNL) darauf hin, dass die radioaktive Belastung im Umfeld kohlebefeuerter Kraftwerke sogar noch höher liegt als in der Umgebung von Atomkraftwerken. Radioaktive Isotope finden sich in den großen Deponien mit Kraftwerksaschen und werden auch über die Schornsteine ausgestoßen. Weltweit gelten Braun- und Steinkohlekraftwerke neben Atomkraftwerken als größte Quelle radioaktiver Verseuchung der Umwelt.

Zu den Gesundheitsgefahren einer Feinstaub-Belastung sei auf die HEAL-Studie "Was Kohlestrom wirklich kostet, Gesundheitsfolgen und externe Kosten durch Schadstoffemissionen" vom April 2013 verwiesen sowie auf die Greenpeace-Studie "Tod aus dem Schlot".

Feinstaub ist extrem gefährlich, da er wie ein "Gift-Taxi" neben den radioaktiven Stoffen auch weitere Schadstoffe aufnimmt und den Weg direkt über die Lunge in die Blutbahnen findet. Aufgrund seiner Winzigkeit kann er nicht in den Lungenbläschen gestoppt werden.

Die Realität der Feinstaubbelastung durch Braunkohletagebaue wurde allen Interessierten deutlich klar, als am 23. Januar 2013 an der Messstation in Elsdorf-Berrendorf eine Feinstaubwert PM10 von 82 µg/m3, an der Messstation in Niederzier 152 µg/m3 gleichzeitig gemessen wurde. Beide Dörfer sind Grubenranddörfer, Berrendorf direkt nordöstlich am Tagebau Hambach, Niederzier südöstlich. An diesem Tage kam der Wind ausnahmsweise aus Nordost. Die Steigerung um 70 µg/m3 am Messpunkt Niederzier kann nur aus dem Tagebau stammen, denn etwas anderes befindet sich nicht zwischen den beiden Orten.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt angesichts der vom Feinstaub ausgehenden Gesundheitsgefahren in ihren Luftgüte-Richtlinien folgende Grenzwerte für Feinstaub: Jahresmittel PM10 20µg/m³; Tagesmittel PM10 50 µg/m³ ohne zulässige Tage, an denen eine Überschreitung möglich ist. Diese Werte liegen deutlich unter den Grenzwerten der EU: Seit dem 1. Januar 2005 beträgt hier der Jahresmittelwert für PM10 doppelt soviel: 40 µg/m³; der einzuhaltende Tagesmittelwert für PM10 50 µg/m³ bei 35 zugelassenen Überschreitungen im Kalenderjahr.

Nervengift Quecksilber und Klimagift CO2

Quecksilber ist ein starkes Nervengift und schon in kleinsten Mengen gefährlich: Es kann zu geistigen Behinderungen, zu Verzögerungen bei der Entwicklung oder zu Gedächtnisverlust führen. Der ORNL-Studie zufolge überschreiten fast 50 deutsche Kohlekraftwerke die Grenzwerte einer neuen internationalen Vereinbarung.

Allein das Kraftwerk in Niederaußem emittiert pro Jahr 497 kg Quecksilber. Dazu erklärt der Energie-Experte des WDR, Jürgen Döschner: "In Deutschland sind die gesetzlichen Vorschriften weniger streng als in den USA, die ja sonst nicht als besonders umweltfreundlich gelten. (…) Würde man den US-amerikanischen Grenzwert, der sich an einer neuen internationalen Vereinbarung orientiert, in der Bundesrepublik anwenden, müssten 50 deutsche Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke bis auf eine Ausnahme stillgelegt werden."

Das Rheinische Braunkohlerevier bzw. der Konzern RWE als Eigentümer der Tagebaue, Kohlebahnen, Kraftwerke und Strom-Trassen ist auch der KLIMA-KILLER Nr.1 in Europa. Ca. 100 Millionen Tonnen Braunkohle werden hier jährlich "verstromt", das bedeutet eine Emission von ca. 100 Millionen CO2. Das sind ca. 12,5 % aller CO2-Emissionen in Deutschland. Zum Vergleich: Ca. 20% erzeugt der gesamte Verkehr (PKW- und LKW-Verkehr zusammen). Über 51 Millionen Kraftfahrzeuge sind in Deutschland angemeldet.

Die fünf Braunkohlekraftwerke im Revier sind also genauso klimaschädlich wie über 30 Millionen Kraftfahrzeuge. Braunkohle ist der klimaschädlichste Energieträger überhaupt. Denn nur maximal 43% der Ursprungs-Energie wird in Strom umgewandelt - im Vergleich z.B. Gas zu ca. 50 - 60%, Steinkohle zu ca. 46%. Dabei werden bei der Braunkohleverstromung mehr als doppelt soviel CO2-Emissionen produziert wie beim Energieträger Gas.

Eine gewichtige Ursache der Klimakatastrophe, die vor allem für die Menschen im globalen Süden schon begonnen hat, liegt nachweislich auch in der hiesigen Braunkohle-Verstromung.

RWE, die Bundesregierung und die Landesregierung NRW behaupten die Unverzichtbarkeit der Braunkohle noch für viele Jahre. Versorgungssicherheit für die Allgemeinheit und den Industriestandort NRW sei nur mit der Braunkohle möglich.

Damit wird die Vorrangstellung festgeschrieben eines aus meiner Sicht von interessierter Seite konstruierten allgemeinen Interesses an der Braunkohle-Verstromung vor den Interessen all der Menschen, die im Revier, in der Region und auch z.B. in Bangladesh leben. Und es wird erwartet, weitere "Opfer" für das nationale Gemeinwohl zu erbringen.

Noch mehr Menschen als die bisherigen knapp 40 Tausend UmsiedlerInnen im Revier sollen ihr Zuhause gezwungenermaßen verlassen. Auch die Bergschäden an den Häusern in den Grubenranddörfern, verursacht durch gewaltige Grundwasser-Abpumpungen - rund 550 Millionen Kubikmeter pro Jahr - sollen als unvermeidlich hingenommen werden. Elsdorf-Berrendorf z.B. ist dadurch ca. 4 Meter abgesunken. Manche Häuser hatten solch große Risse, dass sie abgerissen werden mussten.

Warum das Ganze?

Als notwendige "Übergangstechnologie" zur Bereitstellung der Grundlast, wenn weder die Sonne scheine noch der Wind wehe, sollen die Braunkohlekraftwerke noch für Jahrzehnte notwendig sein. Stimmt diese Aussage von RWE und den entsprechend beeinflussten "politischen Entscheidungsträgern"?

Tatsächlich wird u.a. mit dem großangelegten Projekt "Power to Gas" schon längst das Ziel verfolgt, überschüssigen Ökostrom in Gas umzuwandeln und das Erdgasnetz als Stromspeicher zu nutzen. Dazu erklärt Prof. Klaus Heikrodt, Inhaber des Lehrstuhls für Energietechnik an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, in einem Interview mit Zeit Online: "Anstatt die entsprechenden Anlagen an wind- und sonnenreichen Tagen abzuschalten, kann überschüssiger Strom in Wasserstoff oder Methan umgewandelt und im Gasnetz gespeichert werden."

Weitere schon bewährte Speichermöglichkeiten sind ja auch noch die Pumpspeicherkraftwerke.

Also sind Braunkohlekraftwerke nicht notwendig! Wenn man dann noch bedenkt, dass 2013 so viel Strom wie noch nie zuvor von Deutschland exportiert wurde, dann fragt sich auch der Laie: Stimmt da etwas nicht?

Billiger Rohstoff für RWE

RWE könnte mehr in erneuerbare Energien investieren. Das geschieht aber nicht, im Gegenteil: für dieses Jahr wurden die Investitionen für erneuerbare Energien halbiert. Denn Folgendes ist unbestritten: "Braunkohle rettet die Bilanz (2012) von RWE", so titelte der Kölner Stadtanzeiger am 6. März 2013. Tatsächlich ist die Braunkohleverstromung ein profitables Geschäft. Deshalb hat RWE die Braunkohleverstromung 2013 weiter gesteigert (von 75,6 Mrd. Kwh 2012 auf 75,8 Mrd. kWh) - und das bei einer angeblich allseits gewünschten Energie-Wende zu den "Erneuerbaren" hin.

RWE zahlt nichts für den Rohstoff selbst. Für das ca. 60 Quadratkilometer große Naturschutzgebiet Hambacher Forst mit ca. einer Million Eichen und Buchen zahlte RWE in den 1970iger Jahren an die Gemeinden nur 1 bis 2 DM pro Quadratmeter.

An vielen Stellen kann neben dem wertvollen Holz auch Kies verwertet werden, ehe die größten Bagger der Welt die Braunkohle aus der Tiefe holen. Außerdem sind die Braunkohlevorräte riesig. Und es wird vermutet, dass RWE Braunkohle, die noch in der Erde lagert, schon längst beliehen hat, wie es in der heutigen Finanzindustrie üblich ist. RWE muss somit wahrscheinlich diese sich bereits in den Bilanzen befindende Braunkohle zwangsläufig fördern. Deshalb sieht der Energie-Mix 2013 von RWE tatsächlich so aus: ca. 37,6 % Braunkohle, ca. 23,7 % Steinkohle, ca. 17,0 % Gas, ca. 14,5 % Atom-Energie und nur ca. 6,3 % Erneuerbare Energien (aus dem Geschäftsbericht 2013: Zukunftsgestalter, VORWEGGEHEN. S.57 - eigene Berechnung aufgrund der dort veröffentlichten Zahlen).

Die Herausforderungen der stärker werdenden Anti-Kohle-Bewegung sind also groß. Der "Gegner" ist sehr stark - das Rheinische Braunkohlerevier ist quasi in den Händen einer Besatzungsmacht.

Das Schüren der Angst vor Arbeitsplatzverlusten im Revier wirkt leider immer noch. Die RWE AG ist noch kein schwankender Riese, sondern als weltweit operierender Konzern, als "Cluster-Expertin" und meinungsmachende Instanz stark.

Mit einer sorgfältig ausgearbeiteten "Akzeptanz-Studie" hat RWE sich gut vorbereitet für die Abwehr des gewachsenen Widerstands gegen solche Groß-Projekte. Dort ist beschrieben, wie der Widerstand in für RWE ungefährliche Bahnen kanalisiert werden kann (die GWR berichtete).

Dialog sei der Schlüssel zur Akzeptanz, Empathie für die Beweggründe des Einzelnen, der im Widerstand ist, sei notwendig: "In der frühzeitigen, transparenten und ergebnisoffenen Einbeziehung der Bürger scheint dabei der Schlüssel zu mehr Akzeptanz zu liegen." Die Schlichtung mit Heiner Geißler zu Stuttgart 21 wird als vorbildhaft beschrieben. Im Rheinischen Revier bzw. in NRW gehen der BUND und Greenpeace teilweise auf diese Strategie der Einbindung ein und übernehmen zeitweise die Rolle der Dialog-Partner von RWE.

Repression, Militanz und parlamentarische Illusionen

Gemeinsam gegen Kohle und Atom? Die Stolpersteine auf dem Weg zu einem wirkungsvollem breiten Aktionsbündnis innerhalb beider und zwischen beiden Bewegungen sind nicht zu unterschätzen.

In der jungen Anti-Kohle-Bewegung treten nun ähnliche Bruchlinien und Konflikte auf, wie immer wieder auch in den vielen Jahren des Widerstands gegen Atomkraft. Das Drehen an der Repressions-Spirale von Seiten des Staates auf Veranlassung von RWE hat Folgen. Die Wald- und Wiesen-Besetzung im Hambacher Forst ist von eskalierender massiver Gewalt sowohl durch den privaten Sicherheitsdienst von RWE als auch durch brutale Polizei-Einsätze betroffen, letztlich aufgrund falscher Beschuldigungen durch RWE. Der Konzern lässt aktuell ermitteln wegen einem angeblich "besonders schwerem Fall des Landfriedensbruchs" und der des Verdachts "der gefährlichen Körperverletzung", schließlich wegen des Verdachts des "Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz". Weit über 200 Ermittlungsverfahren wurden von RWE seit 2012 veranlasst. Diese Kriminalisierungsversuche sollen die Anti-Kohle-Bewegung und das "Bündnis gegen Braunkohle", die Vernetzung der Wald- und Wiesenbesetzung, der Klima-AktistInnen von www.ausgeco2hlt.de, der Bürgerinitiativen und der Organisationen wie Attac, BUND und Greenpeace usw. spalten und "im Keim ersticken". Auf keinen Fall soll die Anti-Kohle-Bewegung Ausmaße der Anti-Atom-Bewegung annehmen.

Einige der AktivistInnen erleben aufgrund der sich häufenden Polizeieinsätze und der Allgegenwärtigkeit des Sicherheitsdienstes im und am Hambacher Forst einen Zustand ständiger Bedrohung. Auch als Reaktion darauf nehmen militante Haltungen bei den WaldbesetzerInnen selbst zu: Die Vermummung der WaldbesetzerInnen wird immer häufiger.

Martialische Parolen, wie "RWE und Staat zerschlagen" sind auf http://hambacherforst.blogsport.de/ häufig zu lesen. Die Orientierung mancher WaldbesetzerInnen an den mexikanischen Zapatistas, die sich zwar um Gewaltvermeidung bemühen, aber den bewaffneten Kampf nicht ausschließen, ist auch für manche Aktive der Bürgerinitiativen und andere Engagierten im Revier irritierend. Bedingt auch durch die einseitige Berichterstattung in den Mainstream-Medien, wächst bei den Menschen in der Region und den Bürgerinitiativen die Verunsicherung: "Was ist da los im Hambacher Forst?" Die direkte Unterstützung der Waldbesetzung durch die Bürgerinitiativen nimmt teilweise ab. Noch sind die Waldbesetzung und die Blockaden der Rodung als gewaltfreie direkte Aktionen einzuschätzen.

Nicht nur zeigen Repression und Tendenzen von Militanz ihre ungünstige Wirkung, sondern auch die aktuell gesteigerten Aktivitäten von BUND, Greenpeace und auch von den Grünen.

Fast 30 Jahre lang bis 2010 hatten BUND und Greenpeace die Definitionsmacht des Widerstands im Rheinischen Braunkohle-Revier. Die geplante Menschenkette im April 2015 im Bereich des Tagebaus Garzweiler wird aus meiner Sicht auch die Funktion haben, die angekündigte Verkleinerung des Tagebaus als parlamentarischen Erfolg darstellen zu wollen. Die meisten der Engagierten in den Bürgerinitiativen haben noch Illusionen und pflegen immer noch die Nähe zu den Grünen.

Lernen von Larzac und Gorleben

Eine erfolgreiche breite, vielfältige und kontinuierliche Widerstandskultur, in der direkte Aktionen und Ziviler Ungehorsam zentral sind, ist möglich.

Ein Aufeinanderzugehen und ein gegenseitiges Sich-Einfühlen der verschiedenen Akteure sind notwendig.

Die gemeinsame Entwicklung von Zielen und eines langfristigen Handlungskonzeptes bzw. Aktions-Stufen-Plans in einer Atmosphäre der "Kritischen Solidarität" ist unumgänglich.

Sowohl eine Bedingungs- und Betroffenheits-Analyse, als auch die Findung eines Aktions-Konsens haben sich bewährt.

Das Planen, Vorbereiten und Trainieren auch von niedrigschwelligen Formen direkter Aktionen, z.B. das "Zurück-Schaufeln der Erde in den Tagebau" könnte auch Engagierte der Bürgerinitiativen zur begrenzten Gesetzesüberschreitung motivieren und bewirken, dass wir immer mehr werden. Gemeinsamer Umgang aller AkteurInnen mit der unvermeidbaren Repression und den Spaltungsversuchen wird selbstverständlich sein.

Eine klare Einigung auf Gewaltfreiheit hatte im Larzac die unmittelbar Betroffenen motiviert, aktiv mitzumachen.

Die Menschen vor Ort können kontinuierlich wirksamen Widerstand leisten. Die Unterstützung von "Außen", von AktivistInnen aus anderen Regionen, ist notwendig.

Punktuelle spektakuläre Aktionen durch entschlossene Klein-Gruppen können ermutigend sein, sind aber zu ergänzen durch ein "Empowerment" Vieler.

Der Verzicht auf Militanz im gemeinsamen Kampf kann ausgeglichen werden durch das Erleben von nicht für möglich gehaltener breiter Solidarität.

Wenn wir dann auch noch innerhalb der Bewegung im Rheinischen Revier exemplarisch Alternativen wie Solar- und Wind-Energie-Genossenschaften oder Solidarische Landwirtschaften initiieren, schaffen wir auf diese Weise eine "Werkstätte der Zukunft", einen ermutigenden Vorgriff auf eine Zukunft ohne Braunkohle und Atom.

Emilio Weinberg  (aktiv bei SoVie)

 

 

 

http://www.ausgeco2hlt.de/hintergruende/raus-aus-der-kohle/

 

RAUS AUS DER KOHLE !

IMPRESSUM
Text: Yanna Josczok, Timo Luthmann, Theresa Kalmer,
Georg Kössler, Freia Then, Stefanie Groll
Redaktion: Jenny Blekker, Janna Aljets, Gert Sanders
Illustration & Layout: Vincent Kunert & Stefan Dittmar
Herausgeber_innen: BUNDjugend NRW in Kooperation mit
dem BUNDjugend-Bundesverband, der Grünen Jugend,
ausgeCO2hlt und gegenstrom.berlin
V.i.S.d.P Stefan Förster

ANMERKUNGEN

Wir gendern in dieser Broschüre mit “_innen”, damit
durch Sprache kein Geschlecht ausgeschlossen wird.



INHALT


Große Löcher und wo sie herkommen
Der Klimawandel ist da!
Was ist Kohle und wofür wird sie verwendet?
Exkurs: Energie und Energieträger
Von der Kohle zum Strom
Wie funktioniert ein Tagebau?
Folgen des Braunkohleabbaus
Folgen der Verbrennung von Kohle
Exkurs: Klimagerechtigkeit
Internationaler Kohleabbau und die Folgen
Kohlekraft ist Energie von gestern
CO2-Speicherung – Lösung, Ergänzung oder Irrweg?
Eine neue Perspektive: Ausstieg aus der Kohlenutzung
Der Weg zum Ziel
Alle können etwas tun!
Exkurs: Hambacher Forst
Werdet aktiv!
Wo kann ich weiterlesen?

 

 


GROSSE LÖCHER UND WO SIE HERKOMMEN...
Die weltweiten Proteste gegen Kohlekraft sind in den
letzten Jahren immer lauter geworden. Die Nutzung von
Stein- und Braunkohle als Energieträger ist nicht mehr zeit-
gemäß, meinen nicht nur die Bündnispartner_innen dieser
Broschüre. Doch gut verständliche Informationen rund um
das Thema sind rar und so haben sich gegenstrom berlin,
die BUNDjugend, die Grüne Jugend und ausgeCO2hlt
aufgemacht, diese Lücke zu schließen.
Mit „Raus aus der Kohle!“ geben wir nun Antworten
auf die wichtigsten Fragen zum Thema: Wieso ist Kohle-
nutzung schädlich für Mensch und Natur? Welche Alter-
nativen zur Kohlekraft gibt es und wie kann ich selbst aktiv
werden? Die Broschüre ist als ein Crossmedia-Dokument
angelegt, deshalb findest du in der Broschüre immer wieder
weiterführende Links.

Viel Spaß beim Lesen und aktiv werden!
www.kohleausstieg.org/



DER KLIMAWANDEL IST DA!
Schmelzende Eiskappen, Dürren und Überschwem-
mungen, wärmere Sommer oder längere Winter: Der Klima-
wandel bringt ganz unterschiedliche Folgen mit sich. Um der
Erderwärmung entgegenzuwirken wird an vielen Enden und
Ecken geschraubt und diskutiert, doch das reicht leider nicht
mehr aus! Das international angestrebte Ziel, die globale
Klimaerwärmung auf 2 °C zu begrenzen, ist kaum noch zu
erreichen. Die weltweite Durchschnittstemperatur steigt
zurzeit schneller an als am Ende der letzten Eiszeit und
pessimistischste Szenarien gehen von einem Anstieg
um 4°C bis 2100 aus.
Seit der Industrialisierung produziert die Menschheit
immer mehr Treibhausgas-Emissionen. Diese tragen maß-
geblich zur Klimaerwärmung bei. Eines der problematischsten
Gase ist das Kohlendioxid CO2, welches vor Jahrmillionen in
Form von Kohle, Öl oder Gas im Boden gespeichert wurde.
Bei der Verbrennung dieser fossilen Energieträger wird es
freigesetzt. Die Energienutzung durch Kohle ist dabei der
Klimakiller Nummer Eins.


Zur Energieerzeugung
werden heute vor allem Steinkohle und Braunkohle ver-
wendet. Die Steinkohle, die
heute abgebaut wird, ist vor
ca. 200 bis 300 Mio. Jahren im
nach ihr benannten Erdzeitalter
Karbon entstanden. Braunkohle
kohle hingegen hat sich erst deutlich
später gebildet – die Vor-
kommen in Deutschland sind
fünf bis 65 Mio. Jahre alt. Braun-
Braun- und Steinkohle entstanden aus
pflanzlichen Materialien, die
erst abgestorben sind und dann
durch Sauerstoffmangel nicht
vollständig zersetzt wurden.
Dieses Pflanzenmaterial hat sich
zusammen mit überlagernden
Sedimenten und durch Druck und Hitze in Braunkohle
umgewandelt. Durch erhöhten Druck und den Verlust von
Wasser konnte in weiteren Umwandlungsprozessen Steinkohle
entstehen. Deshalb liegen heute die Steinkohlevorkommen
meist viel tiefer als die Braunkohlevorkommen.
Verschiedene Kohlenarten enthalten unterschiedlich
hohe Mengen Kohlenstoff. Daran bemisst sich der Brennwert,
also die Menge an Energie, die aus einer Einheit Kohle ent-
stehen kann: Je größer der Anteil an Kohlenstoff, desto höher
der Brennwert (dies nennt man Inkohlungsgrad).
Die Kohlenutzung hat keine lange Geschichte. Zwar 25
wurde in China bereits um 1000 v. Chr. mithilfe von Kohle
Bronze hergestellt. Aber erst ab dem 18. Jahrhundert trug
die Kohle in großem Stil zur industriellen Revolution bei und
wurde für fast alle neuen Technologien (z. B. Dampfmaschine,
Eisenherstellung, Eisenbahn) verwendet. Heute hat das Erdöl
die Kohle als allgegenwärtiger Energieträger ersetzt. Kohle
dient nun hauptsächlich der Stromerzeugung in großen
Kraftwerken, sowie der Eisenverhüttung und der Zement-
herstellung. In Südafrika – und wahrscheinlich auch bald
in China – wird verflüssigte Kohle als Treibstoff genutzt.

 

Deutscher Strommix 2012 :

 

Kernenergie 16%
Steinkohle 19%
Erdgas 11%

Sonstige 6%

Erneuerbare Energien 22%


Windenergie 7,4%
Wasserkraft 3,4%
Photovoltaik 4,6%
Biomasse 6,6%


Braunkohle 26%


Quelle: AG Energiebilanzen e.V.
ENERGIE UND ENERGIETRÄGER


Obwohl Energie selbst unsichtbar scheint, gibt es doch
verschiedene Formen von Energie, die für uns erlebbar sind:
Sonnenstrahlen, Strom aus der Steckdose oder ein Rad,
das rollt. Energie ist allgegenwärtig und ist für alle Lebens-
bereiche notwendig. Deshalb spielt ihre Erzeugung in unserer

Gesellschaft und der Politik auch eine besondere Rolle.
Die Menschen haben im Laufe der Jahrhunderte begonnen,
Energie immer vielfältiger und aufwendiger zu gewinnen und
zu nutzen.

Zur Nutzung von Energie braucht man Energieträger.
Diese werden in primäre und sekundäre Energieträger unter-
teilt. Primäre Energieträger kommen in der Natur vor (fossile
sowie erneuerbare Energien). Sekundäre Energieträger sind
jene, die bereits vom Menschen umgewandelt wurden und auf
der Nutzung von primären Energieträgern beruhen. Hierzu
gehören Treibstoffe, Druckluft und Elektrizität.

Fossile Energieträger sind im Gegensatz zu Wind, Wasser
und Sonne nicht unbegrenzt verfügbar. Das bedeutet, dass
sie von uns wesentlich schneller verbraucht werden, als sie von
der Natur erneuert werden können. Vor allem die Ölreserven
der Erde nehmen immer schneller ab, was für unsere vom Öl
abhängige Gesellschaft dramatisch sein kann. Zudem wird
bei der Verbrennung von den fossilen Energieträgern Kohle,
Öl und Gas klimaschädliches CO2 freigesetzt. Es ist deshalb
notwendig, so schnell wie möglich auf erneuerbare Energien
umzusteigen.

VON DER KOHLE ZUM STROM

In Deutschland wird inzwischen viel mehr Braunkohle als
Steinkohle abgebaut. Beide Kohlearten werden in Kraftwerken
zu Strom umgewandelt. Zwar wird durch Steinkohle immer
noch 19 Prozent des Strombedarfs gedeckt, diese kommt aber
inzwischen vor allem aus dem Ausland.

Anders als Steinkohle wird Braunkohle im offenen Tage-
bau abgebaut, weil sie nicht so tief unter der Erde gelagert
ist. Der Hambacher Tagebau ist der tiefste und größte in
Europa. Braunkohle wird dort direkt zu Strom verarbeitet –
der Transport der nassen, schweren Braunkohle über weite
Strecken wäre nicht rentabel. Deshalb stehen die Kraftwerke
immer in der Nähe der Tagebaue. In den Kraftwerken wird
die Braunkohle in Heizkesseln verbrannt. Die Hitze treibt
eine Turbine an, deren Bewegungsenergie ein Generator in
Strom umwandelt (siehe Grafik). Über den Schornstein des
Kraftwerks wird das bei der Verbrennung entstehende und
gereinigte Rauchgas in die Luft geblasen. Im Kühlturm wird
heißes Wasser wieder abgekühlt. Es entsteht Wasserdampf in
Form großer Wolken, der in die Luft entweicht.

Die Braunkohle enthält im Vergleich zur Steinkohle durch
den kürzeren Entstehungsprozess mehr Wasser und weniger
Kohlenstoff, deshalb ist ihre Nutzung nicht so effektiv. Dabei
liegt der Wirkungsgrad oft deutlich unter 40 Prozent – das
heißt bis zu zwei Drittel der eingesetzten Energie gehen
verloren.

WIE FUNKTIONIERT EIN TAGEBAU?

In Deutschland gibt es drei große Braunkohlereviere:
das rheinische Braunkohlerevier, das Braunkohlerevier in der
Lausitz und das mitteldeutsche Revier im Raum Halle/Leipzig.
Der Abbau von Braunkohle erfordert eine spezielle Tagebau-
technik, bei der große, mobile und im Dauerbetrieb
arbeitende Geräteeinheiten mit Schaufelradbaggern,
Absetzern und Förderbandanlagen zum Einsatz kommen.

Die Bagger müssen bis zu 370 Meter tief buddeln, um
die bis zu 80 Meter dicken Braunkohleschichten (Flöze) zu
erreichen. Darüber lagern Schichten aus Sand, Kies und Ton
(Abraum), welche in jahrelanger Arbeit zunächst abgebaggert
werden. Braunkohle-Kraftwerke sind meist Grundlast-
kraftwerke, welche rund um die Uhr im Betrieb sein müssen.
Deshalb dürfen auch die Tagebaue nicht still stehen. Die
Bagger schaufeln die Kohle auf Förderbänder, auf denen sie
dann zu einer Verladestelle transportiert wird. Es gibt auch
Tagebaue, die mit Förderbrücken zum Abtransport arbeiten.
Viele Tagebaue haben eigene Schienenanlagen, die direkt
vom Loch in das Kraftwerk führen.

Aufgrund der Tiefe und Größe der Löcher bringt ein Braun-
kohletagebau soziale und ökologische Probleme mit sich.
Umweltzerstörung, gesundheitliche Belastung und soziale
Auswirkungen des Tagebaus sollen auf den nächsten Seiten
beleuchtet werden.
Tagebau Hambach: 370 m
Kölner Dom: 157 m

FOLGEN DES BRAUNKOHLEABBAUS

Die Verbrennung von Braunkohle zur Stromgewinnung
(Verstromung) ist nicht nur ein großer Klimakiller, der Abbau
hat auch viele lokale und regionale Folgen. Ein Tagebau ist
ein massiver Eingriff in die Landschaft, der die gesamte Natur
und Kultur verändert und dem teilweise ganze Ortschaften
weichen müssen. Alleine die Tagebaue im Rheinland
erstrecken sich auf 270 km2, das entspricht in etwa der
Fläche Düsseldorfs.


ZERSTÖRUNG VON WERTVOLLEN ÖKOSYSTEMEN,
SCHÄDIGUNG DES GRUNDWASSERS UND DES BODENS

Zunächst werden durch den Abbau von Braunkohle
wertvolle Ökosysteme zerstört. Beispielsweise müssen Wälder,
wie der ehemals 6000 ha große Hambacher Forst (siehe
Exkurs) und der Urwald Weisswasser bei Cottbus, einem Tage-
bau weichen. Darüber hinaus sind die Tagebaue tiefer als der
Grundwasserspiegel und das Grundwasser muss abgepumpt
werden, sonst würde das Grundwasser ständig in die Gruben
sickern. Mehrere Milliarden Kubikmeter Grundwasser
reserven können durch das Abpumpen nicht mehr als
Trinkwasser genutzt werden.

Der in der Lausitz aktive Braunkohlenbergbau beispielsweise
pumpte 2009 etwa 230 Mio. Kubikmeter Grundwasser
ab – mehr als die Bereiche Industrie, Landwirtschaft und
Trinkwasserwerke in Brandenburg zusammen. Im Rheinland
sind die Auswirkungen noch gravierender, da die Tagebaue
tiefer und größer sind. Die wertvollen Trinkwasserreserven der
Niederrheinischen Bucht werden durch Sumpfungs-
maßnahmen nach und nach zunichte gemacht.

Zehn Prozent der Fläche NRWs (3000 km2) sind von Grund-
wasserabsenkungen betroffen. Das Abpumpen hat Folgen,
die weit über die Grenzen der Tagebaugebiete hinausgehen:
Ganze Ökosysteme, wie die Feuchtgebiete des internationalen
Naturparks Maas-Schwalm-Nette, sind bedroht. Außerdem
werden eisenhaltige Sickerwässer aus den Tagebauen frei-
gesetzt - eine weitere Gefährdung unserer Gewässer. So ist
z. B. der Spreewald, welcher als UNESCO-Biosphärenreservat
ausgezeichnet ist, hiervon betroffen.

www.braunkohle.info/verockerung


Auch landwirtschaftlich nutzbare Flächen werden durch
den Tagebau zerstört. Im Rheinland wurden z. B. von dem
Energiekonzern RWE über 270 km2 gut nutzbarer Acker-
boden für den Tagebau in Anspruch genommen. Das Land
wird zwar im Anschluss an den Tagebau durch so genannte
Re­ ultivierung künstlich wieder aufgeschüttet und bepflanzt,
aber die lange Entstehungszeit der Böden kann nicht wieder
hergestellt werden. Wälder und Naherholungsgebiete können
mit der Zeit wieder wachsen, aber für die Landwirtschaft wird
der Boden unbrauchbar.

 


GESUNDHEITLICHE BELASTUNGEN AUFGRUND VON
EMISSIONEN UND STRAHLUNG


In der Nähe eines Tagebaus findet
sich meist feiner schwarzer Staub auf
Autos oder Gartentischen – und das
tagtäglich. Durch den Abbau von Erdreich
und Kohle und den Transport auf Förder-
bändern entstehen riesige sichtbare Staub-
belastungen sowie unsichtbare Feinstaubbelastungen.
Letztere sind lungengängig und dadurch gefährlicher.
Feinstaub kann Allergien, Herz-Kreislauferkrankungen und
Schlaganfälle verursachen.
Darüber hinaus entsteht beim Abbau der Kohle eine

Strahlenbelastung. In der Erdkruste kommen natürlicherweise
die radioaktiven Metalle Uran und Thorium vor. Diese sind
nicht schädlich, solange sie in der Erde verbleiben. Doch
durch den Abbau werden diese radioaktiven Stoffe in großen
Mengen bewegt; ihre Atome zerfallen dabei und strahlen
schwach. Deshalb liegt die Strahlenbelastung von manchen
Tagebauen deutlich über dem unbedenklichen Grenzwert.

In den betreffenden Regionen sind die Anwohner_innen
dauerhaft einer erhöhten radioaktiven Strahlung ausgesetzt.
Radioaktive Moleküle lagern sich außerdem am Feinstaub an
und können in die Lungen der Menschen geraten, wo sie zu
einem echten Gesundheitsrisiko werden.
www.kohleausstieg.org/feinstaub

Auch Lärm- und Lichtemissionen werden durch den
24-Stunden-Betrieb der Bagger, Förderbänder und Pump-
stationen eines Tagebaus verursacht. Das ist für die Menschen
in der unmittelbaren Nähe der Tagebaue eine psychische und
körperliche Belastung.
Schäden an Häusern und Straßen auch viele Kilometer
entfernt vom Tagebau auf. Diese Häuser mit sogenannten
Bergschäden haben oft große Risse in den Wänden, weil sie
aufgrund des instabilen Untergrunds wegsacken. In solchen
Fällen müssen die Geschädigten dem Bergbautreibenden
(also dem Stromkonzern) nachweisen, dass die Schäden
tatsächlich durch den Bergbau entstanden sind – eine kost-
spielige und mühselige Angelegenheit. In Tagebaugebieten
wie Inden, Hambach oder Lausitz kommt es außerdem immer
wieder zu schweren Hangrutschungen, die eine direkte Gefahr
für Grubenranddörfer darstellen können.
www.kohleausstieg.org/bergschaeden
BERGSCHÄDEN UND GEFAHREN DURCH ABRUTSCHUNGEN

Die Bewohner_innen in der Nähe von Braunkohlerevier-
en sind nicht nur gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt.
Durch das Abpumpen des Grundwassers wird der Boden über
viele Quadratkilometer instabil und es besteht die Gefahr, dass
ihre Häuser beschädigt werden. 

 


UMSIEDLUNGEN UND ZERSTÖRUNG VON
LOKALEN GEMEINSCHAFTEN

Menschen, die in geplanten Abbaugebieten leben,
müssen ihre Dörfer verlassen. So verschwinden gewachsene
Strukturen. Seit 1945 sind bundesweit 110.000 Menschen
zwangsumgesiedelt worden und 300 Dörfer wurden zerstört.
Weitere 15.000 Menschen sind von der Umsiedlung bedroht.
Die Menschen gehen nicht immer freiwillig, aber das Bundes-
berggesetz verpflichtet sie dazu.

www.kohleausstieg.org/bergrecht
Die Energiekonzerne zahlen zwar die Umsiedlung und den
Bau neuer Ortschaften, aber gewachsene soziale Strukturen
können sie nicht wieder herstellen. Zwar wird viel getan, um
den Menschen die Umsiedlung zu erleichtern, beispielsweise
werden Straßennamen wieder verwendet.

Trotzdem ist ein komplett neu gebautes Dorf nicht mit
dem alten vergleichbar. In den Dörfern protestieren Einzelne,
aber häufig ist die Mehrheit der Bewohner_innen den Energie-

konzernen gegenüber wohlwollend. Die Energiekonzerne sind
oft die größten Arbeitgeber in der jeweiligen Region.
www.kohleausstieg.org/kohlefilz
Viele Menschen werdenin ihrer Region aktiv!

 

Die Bürgerinitiative „Das gelbe Band"

zum Beispiel bringt
gelbe Bänder an Laternen, Bäumen
und Häusern an und
macht so auf die vielen verschiedenen Belastungen in
den Grubenranddörfern des rheinischen Braunkohle-
reviers aufmerksam. Die Aktiven
fassen die Lage der
Menschen aus den Dörfern so
zusammen: „Um-
siedlung, ein harmloses Wort,
dass der Vertreibung
und Enteignung aus der Heimat
gleich kommt. [...]
Viele Jahre vor dem Abbau wird
durch Diskussionen
um den drohenden Tagebau das
Leben der Menschen
vergiftet. Der gesetzlich garantier
te Mindestpreis für
die generationenalten Häuser reic
ht oft nicht für den
Bau eines neuen Heimes. Es sch
merzt viele Menschen
bis ins unerträgliche, es hinterläs
st Narben und bei
manchem auch unheilbare Wun
den.“
21
Braunkohleabbaugebiete
in Deutschland
Geologische Vorräte:
Rheinisches Revier
55 Mrd. Tonnen
Lausitzer Revier
13 Mrd. Tonnen
Mitteldeutsches Revier
10 Mrd. Tonnen
FOLGEN DER VERBRENNUNG VON KOHLE


Bei der Verstromung der Kohle werden nicht nur
klimaschädliche CO2-Emissionen freigesetzt, Kohlekraftwerke
22
stehen auch aufgrund anderer Schadstoffausstoße in der
Kritik.

Schwefeldioxid ist verantwortlich für den sauren Regen,
der Wäldern und Gebäuden zu schaffen macht. Stickoxide,
Feinstaub und andere Stoffe gefährden die Gesundheit.
Beispielsweise gehen fast dreiviertel des Ausstoßes von Queck-
silber in Deutschland auf die Kohlenutzung zurück. Durch
den Schadstoffausstoß steigt in der Bevölkerung das Risiko für
Erkrankungen, speziell der Lunge und des Herzens, aber auch
für Folgekrankheiten wie Krebs.

Laut einer Studie der Health and Environment Alliance
führen die Krankheiten, die durch Kohlekraftwerk-Emissionen
verursacht werden, in der EU zu 18.200 verfrühten Todes-
fällen und ca. 8.500 neuen Fällen chronischer Bronchitis pro
Jahr. Zugleich entstehen durch die Luftbelastung erhöhte
Ausgaben für das Gesundheitswesen sowie weitere
wirtschaftliche Folgekosten, z. B. durch krankheitsbedingt
verlorene Arbeits­ eit. In der EU betragen diese Kosten jährlich
z
zwischen 15,5 und 42,8 Mrd. Euro.
www.kohleausstieg.org/gesundheit
23
EXKURS
KLIMAGERECHTIGKEIT


Bereits heute wird deutlich, dass die Regionen der Erde,
die am wenigsten zur Klimaerwärmung beigetragen haben,
die größten Folgen tragen werden. Die Länder des Globalen
Nordens sind unbestritten die Hauptverursacher der Klima-
krise, weil sie in den letzten 200 Jahren Industrialisierung
enorme Mengen CO2 und andere klimaschädliche Abgase
25
emittiert haben. Die Länder im Globalen Süden fordern
daher, dass die reicheren Industrieländer für die durch den
Klimawandel verursachten Schäden aufkommen. Denn durch
den vom Menschen verursachten Klimawandel müssen die
Länder des Globalen Südens mit Problemen wie Wetter­
extremen, unfruchtbaren Böden oder Nahrungsmittel-
knappheit kämpfen.

Zahlreiche Menschen mussten schon wegen der
veränderten Bedingungen als ‚Klimaflüchtlinge‘ ihre Heimat
verlassen. Die Länder des Globalen Südens verlangen daher,
dass die Industrieländer nicht nur ihre eigenen Emissionen
24
drastisch senken, sondern auch Kompensationszahlungen für
die geschädigten Länder leisten. Deshalb ist der Klimawandel
nicht nur ein Umweltproblem, sondern betrifft auch Fragen
der sozialen Gerechtigkeit.

Das Konzept ‚Klimagerechtigkeit‘ stellt einen Gegen-
entwurf dar. Es beinhaltet vier Kernthemen: Grundursachen,
Rechte, Reparationen und partizipative Demokratie.
Besonders wichtig ist bei diesem Konzept, dass die wahren
Ursachen des Klimawandels erkannt und bekämpft werden.
www.kohleausstieg.org/klimagerechtigkeit
25
25
www.kohleausstieg.org/truecostofcoal
Weltweite Kohleproduktion in Mio. Tonnen, 2011
Steinkohle 6025,1 Braunkohle 1025,46

7
Ukraine 48,7 0 ,6
,2
a
üd frika 255 3
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A
92
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erbien 85,8 ,2
ch 1 2 8 , 6 5 7
len land 10,1 1
75,6 62,8
26
d
m 7 5 7, 4
1 a
9,
www.kohleausstieg.org/kohleimporte
Auch in anderen Herkunftsregionen haben die Abbau-

verfahren zum Teil schwere ökologische Folgen. Die Stein-
kohle aus den USA wird beispielsweise im zerstörerischen
S 406,0 87,1
GU ussland 245,9 7
R
ka 9 8
er,i3 73,4 7,0

Braunkohle ist vor allem ein europäischer Energie-
lieferant: sechs der zehn größten produzierenden Länder
liegen in Europa. Weltweit wird 87 Prozent der Braunkohle zur
Stromerzeugung eingesetzt. Dadurch werden etwa 16 Prozent
des globalen Stromverbrauchs abgedeckt.

Zur Stromproduktion wird in Deutschland neben Braun-
kohle (26 Prozent) auch Steinkohle (19 Prozent) eingesetzt.
Dabei geht die nationale Steinkohleproduktion aus Kosten-
gründen immer weiter zurück, es wird immer mehr Steinkohle
importiert. Die in Deutschland verwendete Steinkohle wird
unter anderem aus Kolumbien bezogen, wo sie zwar günstig,
aber mit hohen sozialen und ökologischen Kosten abgebaut
wird. Darunter leidet nicht nur die Natur, auch die Arbeits-
bedingungen sind menschenunwürdig.
Mountain-Top-Removal-Verfahren gewonnen. Bei diesem
Verfahren werden die Bergkuppen abgesprengt, was
vielfältige soziale und ökologische Probleme schafft.
INTERNATIONALER KOHLEABBAU UND DIE FOLGEN
,0
8 Oz
n 8,4 eanien 415538,9 7
34 136
5 3
4,1 ,3 Indien sien
69,5 Indone
Quelle: U.S. Energy Information Administration
27
KOHLEKRAFT IST ENERGIE VON GESTERN

Nach jahrzehntelangen Bemühungen der Zivil-
gesellschaft setzt nun auch die deutsche Politik auf eine
Energie-wende. Mit dem 2011 beschlossenen Atomausstieg
soll ein Umstieg auf erneuerbare Energien erfolgen.
Das beinhaltet den Verzicht auf Energie aus fossilen Energi-
eträgern wie der Kohle - sowohl aus Tagebaulöchern in der
Lausitz als auch aus Kolumbien.

Für die geplante Energiewende wurden drei politische
Ziele gesetzt: Das neue Energiesystem soll die Versorgung der
Menschen mit Strom sichern, die Preise für Energie sollen so-
zial verträglich gestaltet und die Energieproduktion möglichst
klimagerecht sein. Dabei steht allerdings in der Diskussion,
inwiefern ein mittelfristiges Festhalten oder sogar der Ausbau
von Kohlekraft (als “Brückentechnologie”) notwendig ist.

Die Befürworter_innen der weiteren Nutzung von Kohle
argumentieren damit, dass grundlastfähige Kraftwerke durch
den Atomausstieg verloren gehen. Erneuerbare Energien
könnten die Grundlast nicht decken, also brauche das
Energiesystem zunächst Energie aus Kohlekraftwerken,
28
um keine Stromlücken entstehen zu lassen.

Doch Versorgungssicherheit ist mittel- und langfristig
auch ohne Kohle möglich und nötig. Ein neu gebautes Kohle-
kraftwerk ist erst nach 40 Jahren abgeschrieben. 40 Jahre,
in denen es einer dezentralen und ökologischen Energie-
versorgung im Weg stehen würde.

Selbstverständlich kann es keine Energiewende auf
Knopfdruck geben. Da Deutschland aber auch keinen aus
Atomkraft oder Kohle produzierten Strom importieren sollte,
müssen die fossilen Energieträger tatsächlich noch über einen
begrenzten Zeitraum genutzt werden. Allerdings zeigen ver-
schiedene Prognosen, dass bis 2020 etwa die Hälfte und im
Jahr 2050 sogar der vollständige deutsche Strombedarf durch
erneuerbare Energien gedeckt werden kann.
www.kohleausstieg.org/planb

Dabei ist es allerdings unerlässlich, auch die
erneuerbaren Energien auf ihre Umweltverträglichkeit zu
prüfen und auf sozial und ökologisch verträgliche Lösungen zu
setzen. Eine große Biogasanlage hat beispielsweise schädliche
Auswirkungen für Mensch und Natur.
29
Zum einen werden in großen Monokulturen Energiepflanzen
angebaut, wodurch die biologische Vielfalt verloren geht,
zum anderen stehen die jeweiligen Äcker nicht mehr für den
Anbau von Nahrungsmitteln zur Verfügung.

Es gibt nicht die eine richtige Lösung für die Energie-
wende, doch viele gute Ansätze, die auf eine dezentrale,
ökologische und soziale Energieversorgung setzen. Eine gute
Energiepolitik richtet sich zuerst nach den Bedürfnissen der
Bürger_innen und nicht nach denen der Stromkonzerne, sie
setzt auf Beteiligung.
www.kohleausstieg.org/energiepolitik
30
CO2-SPEICHERUNG - LÖSUNG, ERGÄNZUNG
ODER IRRWEG?


Um den Vorgaben der klimapolitischen Diskussion näher
zu kommen, werden von der Politik und den Energiekonz-
ernen aber auch Alternativen zum Verzicht auf Braunkohle
in Erwägung gezogen. So soll durch neue Technologien das
entstandene CO2 verflüssigt und unter die Erde gepumpt
werden. Diese als „klimaschützende Endlagerung“ ange-
priesene Technologie wird als Carbon Capture and Storage
(CSS) bezeichnet. Die hohen Erwartungen an die CSS-
Technologie haben nicht zuletzt dazu geführt, dass Energie-
konzerne neue Kohlekraftwerke planen und bauen.
Das wiederum behindert den notwendigen Ausbau und die
fehlenden Investitionen in den Aufbau erneuerbarer Energien.

Die Befürworter_innen der CSS-Technologie
argumentieren, dass sich der CO2-Kreislauf schließen würde,
wenn das CO2, welches als Kohle aus dem Boden kommt,
wieder dorthin zurückgeführt wird. Aber das durch Ver-
brennung von Öl, Gas oder Kohle entstandene CO2 bildet sich
31
in Sekunden in der Luft, während das CO2 im Boden über
Millionen von Jahren entstanden ist. Außerdem gibt es
Befürchtungen, dass das in der Erde vergrabene CO2 über
Umwege doch in die Atmosphäre gelangt - dann wäre CCS
nur eine teure
Verschiebung der
Emissionsbelastung
in die Zukunft.

Im Moment
ist es unmöglich,
die Folgen der
CO2-Speicherung
vorherzusehen,
deshalb wehren sich
soziale Bewegungen,
Bürgerinitiativen,
Umweltverbände und
politische Parteien
gegen dieses
Verfahren.
32
EINE NEUE PERSPEKTIVE:
AUSSTIEG AUS DER KOHLENUTZUNG


Allein die bislang genannten Folgen des Kohleabbaus
sprechen eindeutig für einen Ausstieg. Wie dringlich dieser ist,
verdeutlicht ein Blick auf die durch Kohlekraft verursachten
CO2-Emissionen: Um die Erderwärmung unter dem inter-
national vereinbarten Ziel von 2 °C zu halten, müssten nach
James Hansen, einem der bekanntesten Klimawissenschaftler
weltweit, die westlichen Industrieländer ab 2020 auf jede 25
weitere Kohlenutzung verzichten. Die Kritik, dass wir dafür
eine Menge verändern müssten, relativiert sich mit Blick auf
die vielen Menschen in anderen Regionen, die aufgrund des
Klimawandels ihre gesamte Existenz verlieren. Die Zahl der
Klimaflüchtlinge steigt bereits jetzt.

Der Ausstieg aus der Kohlenutzung sollte ein zentraler
Bestandteil der laufenden Energiewende werden. Die Nutzung
der Kohle kann schrittweise deutlich reduziert und spätestens
2030 ganz beendet werden. Hürden, die auf eine veraltete, in
Monopolstrukturen des letzten Jahrhunderts gefangene
33
Struktur der Energieversorgung zurück gehen, müssen dabei
überwunden werden. Das Leitbild einer dezentralen,
ökologisch und sozial verträglichen Energieversorgung
muss die Richtung vorgeben. Neue Braunkohletagebaue,
neue Kohlekraftwerke und gefährliche Experimente mit der
CO2-Speicherung im Boden (CCS) oder mit Fracking
sind nicht zukunftsfähig.
MONOPOLISTEN BEHINDERN DIE WENDE

Aber wieso gestaltet sich die Energiewende so
schwierig? Unsere Stromversorgung ist durch zentralistische
und zum Teil verschwenderische Strukturen, basierend auf
einem kapitalistischen System, gekennzeichnet. Wenige,
ineffiziente große Kraftwerke (im Kohlebereich mit Wirkungs-
graden von unter 40 Prozent) dominieren und diese „Riesen“
werden zu 80 Prozent von den vier großen Strom-Monopo-
listen in Deutschland betrieben: RWE, Vattenfall, EnBW und
EON.

Deren Kraftwerke, Dinosaurier einer alten Energie-
versorgung, spielen den Gewinn der großen Konzerne ein.
34
Dagegen ist der Zuwachs der erneuerbaren Energien vielfach
durch Bürgerengagement im Kleinen entstanden,
viele Anlagen sind in Bürger_innenhand. Diese Entwicklung
gefährdet wirtschaftliche Stellung und politische Macht der
Konzerne, was diese zu verhindern suchen.

Damit reihen sich die Konzerne bei den Blockierern der
notwendigen Energiewende ein. Nicht ohne Erfolg.
Die medial verbreitete Angst, die Energiewende würde Strom
verteuern und irgendwann unbezahlbar machen, ist ein
gutes Beispiel erfolgreich platzierter Meldungen der
Blockierer, die damit erreicht haben, dass die Energiewende25
nur noch am Strompreis gemessen wird. Daher geht es bei
der Energiewende auch um ein Ende der Kohle und um eine
Neuordnung der Energieversorgungsstrukturen – dezentral
und demokratisch kontrolliert, mit Energiegenossenschaften,
kommunalen Stadtwerken und Projekten basierend auf dem
Engagement aus der Bevölkerung.
35
DER WEG ZUM ZIEL

Auch wenn der Klimaschutz es gebieten würde:
Ein Ausstieg aus der Kohlenutzung wird hierzulande nicht von
einem Tag auf den anderen machbar sein. Voraussetzung
ist, dass die Gesellschaft (also wir alle) einen Kohleausstieg
einfordert, langfristig mitträgt und politisch begleitet.

Ein Umbau der Energieversorgung auf 100 Prozent er-
neuerbare Energien wird aus folgendem Dreiklang bestehen:
dem sorgsamen Umgang mit Energie, indem alle möglichen
Einsparungen, Effizienzsteigerungen und die Kraft-Wärme-
Kopplung genutzt werden; dem ökologisch verträglichen,
konsequenten Ausbau der Erneuerbaren Energien sowie einer
neuen Definition von Wohlstand, die nicht an die Wachstums­
ideologie gekoppelt ist. Gut Leben statt viel Haben lautet die
zukunftsfähige Formel.

Immer mehr Kommunen und Landkreise zeigen, dass
dies ganz praktisch möglich ist. Im Kreis Lüchow-Dannen-
berg, wo sich Bürger historische Verdienste im Widerstand
gegen die Atomkraft erworben haben, wird seit 2011 so viel
Strom aus erneuerbaren Energien produziert, wie dort auch
36
gebraucht wird. Bioenergiedörfer wie Jühnde produzieren
auch die benötige Wärme komplett selbst.
ENERGIEEFFIZIENZ VORANBRINGEN

Noch immer wird Energie verschwendet, was
Geldbeutel und Umwelt gleichermaßen belastet. Bis 2030,
wenn der Kohleausstieg vollzogen ist, kann der Endenergie-
verbrauch im Vergleich zu heute halbiert werden. Dazu muss
der Strom in allen Bereichen effizienter genutzt werden, die
Hersteller aller Geräte müssen auf neue Standards verpflichtet
werden. Im Verkehrsbereich sowie durch Wärmedämmung
von Gebäuden existieren weitere große Sparpotentiale. Aber
auch die einzelnen Menschen müssen anfangen, Energie
einzusparen und ihre Konsummuster zu überdenken.
ERNEUERBARE ENERGIEN ÖKOLOGISCH AUSBAUEN

Bereits 22 Prozent des Stroms wurde 2012 durch
erneuerbare Energien erzeugt. Bis 2

SoVie -  Solidarische Vielfalt 

Kölner Gruppe gegen Braunkohle

 

Alle Aktivitäten ruhen zur Zeit !

SoVie hatte vor allem "Das Bündnis gegen Braunkohle im Rheinischen Braunkohle-Revier" unterstützt.

 

Mit folgenden Organisationen haben wir - SoVie - enger zusammengearbeitet:

 

http://www.ausgeco2hlt.de/

 

http://www.lebenslaute.net/

 

http://hambacherforst.blogsport.de/

 

http://www.tschoe-rheinenergie.de/

 

https://ende-gelände.org/

 

http://www.attac-koeln.de/

 

http://www.kritischeaktionaere.de/

 

http://www.netzwerk-zugabe.de/

 

auch mit folgenden Verbänden und Gross-Organisationen bzw. mit ihren regionalen Untergruppierungen:

 

http://www.bund-nrw.de/

http://www.greenpeace-koeln.de/

http://www.die-linke-im-regionalrat-koeln.de/aktuell/

http://www.nrw.rosalux.de/

 

und  auch nicht zuletzt mit verschiedenen Bürgerinitiativen im Rheinischen Braunkohlerevier u.a. mit

 

http://www.buirerfuerbuir.de/   in Buir in der Nähe des HAMBACHER FORSTES (Ur-Waldes)

 

http://www.ib50189.de/  (BI in Elsdorf-Berrendorf) am Tagebau Hambach

 

http://www.netzbege.de/    (Netzwerk Bergbaugeschädigter)

 

http://das-gelbe-band.com/   ( Wanlo - am Tagebaurand Garzweiler)

 

http://zukunft-statt-braunkohle.de/ueber-uns/  HIER :

vor allem mit "LOB - Leben Ohne Braunkohle - Pulheim-Stommeln"

 

mit der Bürgerinitiative gegen BoA-Erweiterung Niederaußem ( "Big BEN" )  (in Bergheim)

 

mit Engagierten Bürgern aus Niederzier ( zwischen den Tagebauen INDEN und HAMBACH )

 

ebenfalls mit Engagierten Bürgern aus Erkelenz und den Nachbar-Gemeinden, wie Borschemisch,

Keyenberg, Immerath usw. ( am Tagebau Garzweiler ) und vielen anderen, z.B. mit den

Künstler*innen gegen Braunkohle

 

 

------------------------------------------------------------------------

 

 

 

Der Sofortausstieg ist möglich!

 

 Atomkraft und Braunkohle auf einen Streich

von Anika Limbach, AntiAtomBonn


Es gibt Gerüchte, die sich hartnäckig halten. So behaupten viele Skeptiker, das sofortige Stilllegen der restlichen Atomkraftwerke sei nicht möglich wegen fehlender Kapazitäten. Andere glauben, ein Sofortausstieg schade dem Klima, da er mit einen höheren CO2- Ausstoß verbunden sei.

Beides ist jedoch falsch. Ein Blick auf die neusten Zahlen und Fakten bestätigt mehr denn je: Wir könnten sofort auf Atomstrom verzichten und gleichzeitig alle Braunkohlekraftwerke abschalten:

 

Datenquelle: Bundesnetzagentur November 2014

 

KURZFASSUNG:

Angenommen wird hier ein Extremfall, der im Grunde nur theoretisch auftritt, nämlich der Fall, dass bei extrem hohem Stromverbrauch in Deutschland die Sonne nicht scheint, der Wind nicht weht und darüber hinaus die gesamte Reserveleistung gebraucht wird.
Selbst in diesem Fall gäbe es ohne Atomkraftwerke noch eine Überkapazität von 21,7 GW! Eine gleichzeitige Stilllegung aller Braunkohlekraftwerke wäre also möglich, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.

Doch was ist mit der potentiellen "Stromlücke" in Süddeutschland, die ein Sofortausstieg angeblich mit sich bringt?
Bei genauer Betrachtung stellt sich heraus, dass Bayern (abzüglich der AKW) zur Jahreshöchstlast ein potentielles "Stromdefizit" von 1,4 GW zu verzeichnen hätte. Diese Unterdeckung ließe sich mittels der bestehenden Übertragungsnetze problemlos ausgleichen (siehe Langfassung).

Der Strompreis wird durch die Energiewende sinken, darin sind sich alle seriösen Fachleute einig. Auch kurzfristig gesehen müssten Normalverbraucher durch einen Sofortausstieg nicht unbedingt tiefer in die Tasche greifen.

 

Diese Aufstellung haben wir seit 2012 mindestens einmal jährlich aktualisiert. Dies ist nun die 4. Version.

In der Langfassung haben wir dieses Mal in der "regionalen Betrachtung" nicht nur Bayern, sondern auch Norddeutschland und den extremen Stromüberschuss an sehr windreichen Tagen in den Blick genommen:

Hier die Langfassung als pdf downloaden.

 

aktualisiert am 24.01.2015, Anika Limbach

 

 

 

 -------------------------------------------------------------------------------------

 

- diese Kraftwerke sind die grösste CO2 - Ursache in  Europa - der Betreiber RWE ist der grösste Klima-Killer

 

   Europas

 

-  u.a. Arsen, Stickoxide und das starke Nervengift Quecksilber,

 

   497 kg Quecksilber jährlich allein durch das Kraftwerk in Niederaußem.

 

 

 

Wir in Köln sind davon direkt betroffen:

 

- unsere Luft wird dadurch stark belastet, denn wir liegen in der Westwindzone.

 

- unser Trinkwasser besteht aufgrund der extremen Grundwasser-Absenkungen zum Teil

 

  aus Rheinuferwasserfiltraten und ist deshalb nicht frei von Schadstoffen

 

  aus der Industrie (trotz Wasseraufbereitung).

 

 

 

Darüberhinaus  gibt es in Köln selbst auch ein Braunkohlekraftwerk: in Merkenich.

 

 

 

Da kann es nur eine Konsequenz geben:

 

Der sofortige Ausstieg aus der Braunkohle ist notwendig!

 

Praktisch könnte dieser in 2-4 Jahren abgewickelt sein!

 

 

 

Wir engagieren uns gewaltfrei mit vielfältigen Mitteln, auch mit direkten Aktionen

 

des Zivilen Ungehorsams, für:

 

 

 

- Die sofortige Schließung des Braunkohle-Kraftwerks in Köln-Merkenich von Rheinenergie,

 

  der Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden und der Kraftwerke in Niederaussem, Neurath (I und II)

 

  Frimmersdorf und Weisweiler von RWE

 

 

 

- Eine echte Energiewende, u.a. Wind-und Solar-Energiegenossenschaften und

 

  Schutz der Wälder, sowie verantwortliche Nutzung der Böden (z.B. Solidarische  Landwirtschaften)

 

  damit für eine Energie-Demokratie von unten  in selbstverwalteten kleinen Einheiten anstatt der Dominanz

 

  der Energie-Konzerne. Damit haben wir auch erste Ansätze eines Konzeptes für eine "Zukunft ohne 

 

  Braunkohle" im Revier, im bisherigen "RWE-Land".

 

 

 

Dabei arbeiten wir u.a.  mit den verschiedenen Bürgerinitiativen im Revier, mit den AktivistInnen der   

 

Waldbesetzung "Hambacher Forst", mit "AusgeCO2hlt", in Köln mit "TschoeRheinenergie" und Attac Köln zusammen, mit dem Ziel:

 

eine gut vernetzte, solidarische und vielfältige Widerstandskultur wie im Wendland vor Ort hier in der Region mit aufzubauen.

 

 

 

Wir treffen uns im 2-Wochen Rhythmus dienstags um 18:30 Uhr im Allerweltshaus in Köln-Ehrenfeld.

 

6. 1. 2015  /  20. 1. 2015 / usw.

 

 

 

Wir bieten am jeweils 2. Sonntag im Monat  Touren zur Wald- und Wiesenbesetzung am
Hambacher Forst sowie zum Braunkohletagebau Hambach an.

 

Am 11. 1. 2015 / 8. 2. 2015 usw.:
Treffpunkt   I: Bahnhof Ehrenfeld um 11:20 Uhr, S-Bahn-Gleis Richtung Düren
Treffpunkt  II: Bahnhof Buir, Fahrkartenautomat an der Bushaltestelle:
                       kurz nach 12.00 Uhr, d.h. kurz nach Eintreffen des Zuges aus Köln
 
Mitfahrgelegenheit ab Bhf. Buir wird angeboten.

 

Anmeldung unter: alfred_weinberg@web.de oder 0172 4163788

http://sovie-koelner-gruppe-gegen-braunkohle.de/#

 

 

 

 

Hier machen wir mit:

Beispiel für das gemeinsame Engagement vom Bündnis gegen Braunkohle:

Ein offener Brief:

Für die Bündnispartner des „Bündnis gegen Braunkohle“ (Aktionsbündnis Stommeler Bürger Leben ohne Braunkohle, Ausgeco2hlt, Attac Köln, Bürgerintiative Buirer für Buir,Das gelbe Band, Die Linke SV Kerpen, Initiative Bergbaugeschädigte 50189, Occupy Köln, Solidarische Vielfalt Kölner Gruppe gegen Braunkohle)

 

Thomas Ristow

 

Kierdorfer Str.19

 

50196 Kerpen

 

An

 

Innenminister Ralf Jäger

 

Landrat Wolfgang Spelthahn, w.spelthahn@kreis-dueren.de

 

RWE Power AG, Opernplatz 1, 45128 Essen

 

Polizeidienststellen NRW, poststelle.lzpd@polizei.nrw.de

 

Fraktionsvorsitzende, Landtag NRW

 

SPD, Norbert Römer, norbert.roemer@landtag.nrw.de

 

CDU, Armin Laschet, armin.laschet@landtag.nrw.de

 

Grüne, Reiner Priggen, reiner.priggen@landtag.nrw.de

 

Piraten, Dr. Joachim Paul, joachim.paul@landtag.nrw.de

 

Westdeutscher Rundfunk, redaktion@wdr.de

 

Spiegel-Redaktion, spiegel_online@spiegel.de

 

Kölner Stadtanzeiger, Peter.Pauls@ksta.de

 

Ruhr Nachrichten, leserinfo@mdhl.de

 

Rundschau Online, online@mds.de

 

Kerpen, den 14. November 2014

 

Betrifft: Ereignisse im Hambacher Forst am 30.10.2014

 

Hiermit möchten wir möchten auf das Schärfste protestieren:

 

  • über die Festnahmen durch die RWE-Sicherheitsmitarbeiter,

  • das Verhalten der Polizei,

  • die Berichterstattung durch einige Medien.

 

Aus unserer Sicht scheint es eine Unverhältnismäßigkeit der Mittel bezüglich der Maßnahmen am 30.10.2014 zu geben.

 

Wir haben auf der einen Seite etwa 14 Naturschützer, junge Frauen und Männer im Alter von etwa 20-25 Jahren, die sich vegan ernähren und damit ihr Interesse bekunden, anderen Lebewesen kein Leid zuzufügen.

 

Demgegenüber stehen ca. 12 Sicherheitsmitarbeiter der RWE Power AG und später mehrere Hundertschaften von Polizisten mit Hunden.

 

Aus den Berichten der jungen Menschen haben wir erfahren, dass die Sicherheitsmitarbeiter mit Stöcken bewaffnet waren und die Naturschützer einseitig angegriffen haben.

 

Nach den Skandalen wegen des Verhaltens von privaten Sicherheitsmitarbeitern in den Flüchtlingsheimen möchten wir nun gerne wissen: Welche Ausbildung haben die Sicherheitsleute der RWE Power AG? Welche Qualifikationen werden erwartet? Besteht eine Schulung bzw. Ausbildung im Konfliktmanagement? Haben die Personen eine Fortbildung bzw. Erfahrung in Deeskalation? Soweit wir informiert sind, gibt es eine genaue Festlegung der Kompetenzen von Sicherheitskräften: sie dürfen reden, die Polizei rufen und Menschen mit begrenzten Mitteln festhalten. Würgen, Schlagstockeinsatz, das Benutzen von Kabelbindern, Einsperren in Bauzäunen und Bedrohungen gehören nicht dazu!

 

Uns ist mitgeteilt worden, dass die Sicherheitsmitarbeiter der RWE sich den Naturschützern aggressiv und provokant genähert haben. Sie sollen, mit Stöcken bewaffnet, sich auf einen jungen Mann gestürzt haben und ihn mit Schlägen attackiert haben.

 

Junge Frauen sind nach unseren Informationen auf die Erde gedrückt worden, man hat ihnen die Gelenke verdreht, sie bedroht und beschimpft. Uns wurde von verschiedenen verbalen, sexuell diskriminierenden Äußerungen berichtet. So wurde eine junge Frau ständig mit „Baby“ angesprochen. Außerdem wurde von einer jungen Frau berichtet, die an diesem Tag ein Kleid an hatte, dass man ihr, während sie gefesselt auf dem Boden lag, das Kleid hochgezogen hat. Dies sind eindeutig erniedrigende sexuelle Demütigungen! Den jungen Menschen wurden mit Kabelbindern die Hände verbunden und sie mussten ca. 2 Stunden auf dem Boden liegend ausharren, bis die Polizei kam. Beweismittel dieser Situation wurden beschlagnahmt, durch die Polizei eingezogen und sind bis heute nicht aufgetaucht.

 

Nun kommt unser zweites Unverständnis:

 

Wie kann es sein, dass die Polizei erst ca. 2 Stunden später kam, aber dafür in mehreren Hundertschaften und mit Hunden.

 

Wir vermuten, dass man davon ausging, dass die Naturschützer sich straffällig verhalten haben. Allerdings konnte man die Straftaten nicht benennen. Obwohl es die Aufgabe der Polizei ist, in alle Richtungen zu ermitteln, hat man hier offensichtlich die jungen Menschen vorverurteilt und wie Schwerverbrecher behandelt.

 

Diese unverhältnismäßige Behandlung wurde in den Arrestzellen der Polizei weitergeführt. So hat man ihnen beispielsweise keine vegane Nahrung zukommen lassen.

 

Uns erscheint es absurd, dass man den Naturschützern nicht nur die Rolle der einseitigen Aggressoren zuerkennt, sondern dass sie als „Bombenleger“ diskreditiert werden, so wie es auch in der Presse später verbreitet wurde.

 

Dass im Hambacher Forst Waffen aus dem 2. Weltkrieg liegen, ist hinlänglich bekannt. Den Naturschützern zu unterstellen, diese zu gebrauchen, um Menschen zu schädigen, ist Rufmord.

 

Vielmehr stellen wir uns die Frage, warum solche gefährlichen Kampfstoffe überhaupt noch im Wald liegen und nicht bereits beseitigt bzw. entschärft wurden.

 

Menschen, die bereit sind, für das Allgemeinwohl (Klimaschutz) mit Engagement einzutreten, wurden in der regionalen und überregionalen Presse als Kriminelle dargestellt.

 

Es scheint sich aus unserer Sicht um eine zweckgebundene Kriminalisierung und Propaganda zu handeln, um die privaten Interessen eines Energiekonzerns zu schützen und das unverhältnismäßige Agieren der Polizei zu legitimieren.

 

Wir bezweifeln die Rechtmäßigkeit dieser unverhältnismäßigen Polizeiaktion! Vor diesem Hintergrund bitten wir daher um die umgehende Freilassung des jungen Mannes, der sich noch in Aachen in Haft befindet!

 

Wir bitten die Zuständigen um Klärung und erwarten selbstverständlich von den zuständigen Behörden Neutralität, Unvoreingenommenheit und Augenmaß.

 

So kann es nicht sein, dass bei der Demonstration der Hooligans in Köln bei 5.000 zum Teil alkoholisierten und bekannt gewaltbereiten Demonstranten 1.500 Polizisten im Einsatz waren, und im Hambacher Forst bei höchstens 25–30 Naturschützern mehrere Hundertschaften von Polizisten mit Hunden.

 

Diese Diskrepanz bitten wir zu klären und zu erklären!

Für das Bündnis gegen Braunkohle Thomas Ristow

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Thomas Ristow

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