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http://www.schattenblick.de/infopool/umwelt/report/umrb0082.html

 


Schattenblick → INFOPOOL → UMWELT → REPORT vom 26.6.2014


BERICHT/082: Kohle, Gifte, Emissionen - Wie Wasser und Luft, so der Wald (SB)
Sozialer und ökologischer Widerstand im Hambacher Forst

Transparent im Baum: 'Ihr könnt räumen! Den Wald abholzen! Die Erde zerstören! Doch wir haben nur diesen Planeten!' - Foto: © 2014 by Schattenblick
Wald- und Wiesenbesetzung      (am 25. Mai 2014 besucht)


"Ihr dachtet wohl, daß ich von Rheinbraun bin." Der ältere Herr im sonntäglichen Freizeitdreß freut sich, daß er unsere skeptischen Blicke richtig gedeutet hat. Wer hier die Barrikaden des Braunkohlewiderstands fotografiert, gerät fast automatisch ins Visier der Sicherheitsdienste, die im Auftrag von RWE oder als hauseigene Ab-
teilung am Rande des Tagebaus Hambach observieren, was um das gigantische Loch herum geschieht. Gerade hier, am Südrand, wo die Harvester in der winterlichen Rodungssaison die letzten Reste des Hambacher Forstes fällen, um die Erde den Schaufeln der ihnen auf dem Fuß folgenden Bagger preiszugeben, haben die
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Zur Tagesausgabe
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Foto: © 2014 by Schattenblick
Angestellten des Energiekonzerns ein besonders wachsames Auge auf alles, was sich der Zerstörung des Waldes entgegenstellen könnte.
Ihre vordringliche Aufmerksamkeit richtet sich auf die Aktivistinnen und Aktivisten der Waldbesetzung, die ihren Lebensmittelpunkt in eine Naturlandschaft verlegt haben, welche allen regierungsamtlichen Bekundungen, die Umwelt zu schützen und den Klimawandel aufzuhalten, zum Trotz im wortwörtlichen Sinne verheizt wird. Was er denn von der Waldbesetzung halte, wollen wir von dem Mann wissen, der sich als Bürger aus dem nahegelegenen Buir zu erkennen gibt. "Das bringt doch alles nichts mehr, das ist doch zu spät", meint er mit einer wegwerfenden Handbewegung. Obwohl kein Freund der Tatsache, daß der Grubenrand inzwischen fast bis an die Autobahn A 4 herangerückt ist und die vielbefahrene Straße noch in diesem Sommer stillgelegt wird, um dem Hunger nach Brennstoff zusammen mit den sie säumenden Bäumen zu weichen, will er den Menschen, die dem RWE-Konzern die Stirn bieten, nicht die Unterstützung gewähren, mit Hilfe derer dem vermeintlich Unausweichlichen vielleicht doch noch Einhalt geboten werden könnte.

Noch nichtBarrikade und Baumstämme mit Aufschrift 'Resistance' und 'Widerstand' - Fotos: © 2014 by Schattenblick verstummt ... bei der Räumung gefällte Bäume
Fotos: © 2014 by Schattenblick
Lokaler Widerstand gegen weltweit wirksame Zerstörung
Warum ist Widerstand gegen die Zerstörung eines Waldes, der eines der letzten in der Region verbliebenen Gebiete mit urtümlichem, nicht in forstwirtschaftlicher Monokultur plantagenmäßig bewachsenen Baumbestand darstellt und zum Teil mehrere hundert Jahre alte Laubbäume aufweist, in der Region und darüber hinaus
so schwach? Warum unterwerfen sich die angeblich so naturromantisch veranlagten Deutschen fast klaglos der Verwüstung ihrer Landschaft, wenn ihnen erklärt wird, daß dies ein Erfordernis der Energiesicherheit und damit der Sicherung von Arbeitsplätzen sei? Nun war es noch nie die Stärke der Bevölkerung dieses Landes, gegen Staat und Kapital aufzustehen. Mit diesem Interessenkartell muß der Mensch es schon aufnehmen, wenn er etwas in dessen
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Rückzug des Waldes
Foto: © 2014 by Schattenblick
Nutzungserwägungen nicht Vorkommendes und diesen daher im Weg Stehendes durchsetzen will. Dies zeigt die Situation im Rheinischen Braunkohlerevier, wo Kommunalbehörden, Polizei und RWE eine Art informelle Handlungsgemeinschaft zu bilden scheinen, auf geradezu klassische, an feudalgesellschaftliche Zustände gemah-
nende Weise.
Offensichtlich ist das Gros der Bürgerinnen und Bürger bereit, das im globalen Vergleich hohe Ausmaß an materieller Sicherheit nicht nur gegen die unters Rad der Arbeitsverwaltung nach Hartz IV geratenen Erwerbslosen, gegen Migrantinnen und Migranten zu verteidigen, sondern auch zu Lasten der von den Folgen des Klimawandels betroffenen Menschen in den Ländern des Südens durchsetzen zu wollen. Mit dem Eigentumsvorbehalt ist immer zu rechnen. Sowohl in einem auf den individuellen Besitz wortwörtlich angewendeten Sinn, wenn der Rest dessen, was einem noch nicht genommen wurde, vermeintlich durch die Armutskonkurrenz von unten und außen bedroht ist, wie in einem auf gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse übertragenen Sinne, wenn der Staat als Garant eines Reichtums verstanden wird, an dem nur geringfügig teilzuhaben voraussetzt, sich seiner nationalen Bestimmung und seinem exekutiven Vollzug zu unterwerfen.
Die Bindekräfte dieser Zugehörigkeit beziehen ihre Stärke aus ihrer vermeintlichen Undurchschaubarkeit. Ohne Feindbilder kann zweckdienliches Konsensmanagement nicht funktionieren, so daß Menschen, die aus gründsätzlichen, allen Lebewesen ungeteilt zukommenden Gründen gegen herrschende Interessen ankämpfen, leicht mit ihnen in Deckung gebracht werden. Dies gilt auch für ra-
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dikalökologische Aktivistinnen und Aktivisten, die das von der Politik lediglich im Mund geführte Menschheitsinteresse an der Abwendung der Erderwärmung so ernst nehmen, daß sie fast unausweichlich auf Konfrontationskurs mit den nationalen Wachstumszielen geraten. Diesen verpflichtet ist nicht nur der Kapitalinteressen hörige Staat auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene, sondern auch eine Arbeiterschaft, deren für Bergbauunternehmen zuständige Industriegewerkschaft Sozialpartnerschaft zu Lasten aller von der Braunkohleverstromung geschädigten Menschen praktiziert.
Räumung und Wiederbesetzung
Seit der Rest des Hambacher Forstes im April 2012 besetzt wurde, werden die Aktivistinnen und Aktivisten des Kohlewiderstands immer wieder von der Staatsgewalt bedrängt. Deren Einsatzkräfte machen, wie aus der Anwesenheit des für den Betreiber des Tagebaus Hambach, RWE, tätigen Sicherheitspersonals an ihrer Seite hervorgeht, keinen Hehl daraus, daß ihnen das Wohl des Energiekonzerns über das Interesse der Bevölkerung am Schutz der Natur geht. Mal werden Teile ihrer Infrastruktur unter fadenscheinigen Vorwänden zerstört, mal schauen sich die Beamtinnen und Beamten nur um und ziehen unverrichteter Dinge wieder ab, mal wird umfassend geräumt, wobei nicht nur Hütten und Baumhäuser zer-
stört, sondern die dazugehörigen Bäume gleich mit umgelegt werden. Als ob man diese Bioorganismen, die das Alter jedes Anwesenden um ein Mehrfaches überschreiten, dafür bestrafen wollte, daß sie den menschlichen wie tierischen Bewohnern des Waldes Zuflucht bieten, werden sie von den Arbeitern des Eigentümers RWE unter dem Schutz der Polizei abgesägt.
Als der Schattenblick die Waldbesetzung im Juni 2012 besuchte [1], lag das Camp noch mehrere hundert Meter vom Grubenrand entfernt. Heute erstreckt sich die Zone, in der lediglich Baumstümpfe davon künden, daß hier einmal ein Wald stand, fast bis zur Autobahn. Nur noch ein dünner Streifen die A 4 säumender Bäume erweckt dort den Eindruck, als sei die Landschaft auf beiden Seiten der Fahrbahn unverändert intakt. Der damalige Standort des Camps ist heute etwa auf der Abbruchkante zu verorten, wo die Bagger die Zähne der gigantischen Schaufeln in die Erde schlagen, um ihr einen Schatz zu entringen, dessen Aschepartikel und Klimagifte in Sichtweite der Hambacher Grube in die Atmosphäre entlassen werden.
Zur dritten und bislang letzten Räumung rückte am 27. März 2014 ein Großaufgebot der Polizei an. Mehrere Hundertschaften, Spezialeinheiten, die die Bäume erklommen, Hundestaffeln, Feuerwehr, Rettungskräfte und Vertreter der für diesen Teil des Waldes zu-
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Vormarsch auf breiter Front ... wie das Loch den Wald verschlingt
Fotos: © 2014 by Schattenblick
ständigen Stadt Kerpen rückten mit schwerem Gerät an, um im wortwörtlichen Sinne tabula rasa zu machen. Wenige Tage zuvor war es bereits zu Hausdurchsuchungen im Unterstützernetzwerk der Waldbesetzung und zu einer polizeilichen Beschlagnahmeaktion auf der Wiese am Waldesrand gekommen. Das dort eingerichtete Lager kann nicht ohne weiteres geräumt werden, da es den Aktivistinnen und Aktivisten von dem Besitzer des Grundstücks trotz aller Schwierigkeiten, die ihm seitens der Behörden bereitet wurden, zur Verfügung gestellt wird. So bildet es praktisch die logistische Basis zur Verteidigung des Waldes. Die Polizei, die das Eigentumsrecht auch außerhalb richterlich legitimierter Beschlagnah-
meaktionen an diesem Ort nur bedingt respektiert, nahm insbesondere Computer und Zubehör mit, was den Schluß nahelegt, daß sie Informationen über Struktur und Aktivitäten des Widerstands erlangen und seine Handlungsmöglichkeiten unterbinden wollte.
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Mit deutscher Gründlichkeit auch die Erinnerung an das Aufbegehren tilgen
Foto: © 2014 by Schattenblick
Offizieller Anlaß war eine Ordnungsverfügung der Stadt Kerpen, die eine angebliche Selbst- und Fremdgefährdung durch in den Bäumen installierte Plattformen der Waldbesetzung zu erkennen meinte. Daß die Zerstörung der hoch in den Wipfeln mit Tauen veran-
kerten Bauten, der zwischen ihnen ausgespannten Verbindungsseile und der dazugehörigen Versorgungsinfrastrutktur am Boden weit mehr zur Gefährdung der betroffenen Aktivistinnen und Aktivisten beitrug, als diese sich durch die eigene Kletterei je aussetzten, ist nur ein Beleg dafür, daß hier mit legalistischen Vorwänden zugunsten des Energiekonzerns in einem Waldstück Tatsachen geschaffen werden sollten, dessen Rodung frühestens für 2018 vorgesehen ist.
In der Folge dieser Räumung fand vier Wochen später eine bereits im Vorfeld angekündigte Wiederbesetzung statt. Dieses Mal wurden an mehreren Stellen Baumhäuser errichtet, was eine weitere Räumung nicht eben einfacher machen dürfte. Der 40minütige Film über die Wald- und Wiesenbesetzung [2], den das Hambacher Forst Film-Kollektiv am Tag der Räumung fertigstellte, vermittelt einen Eindruck von dieser für hiesige Verhältnisse langen und kontinuierlichen Widerstandsaktion. Vielleicht macht ihr Beispiel auch den Aktivistinnen und Aktivisten Mut, das Aktionscamp im Treburer Wald, der einem Autobahnzubringer zum dritten Terminal des Frankfurter Flughafens weichen soll, in eine dauerhafte Waldbesetzung münden zu lassen. Die seit über 30 Jahren um dieses Drehkreuz des internationalen Flugverkehrs geführten Kämpfe sind allemal dazu angetan, den Blick auf diese besonders privilegierte wie klimazerstörende Form des Reisens zu lenken.
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Baumhaus der jüngsten Besetzung im lichten Dach der Buchen
Foto: © 2014 by Schattenblick
Recht hat, wer es durchsetzen kann
Verrechtlichung geht Hand in Hand mit Entrechtlichung, sind die jeweiligen gesellschaftlichen Machtverhältnisse doch in jede noch so neutral erscheinende Rechtsordnung eingeschrieben. Wer Para-
graphenreiterei und Winkeladvokatentum nichts entgegenzustellen hat, weil gute Anwälte zu teuer sind oder verbriefte Grundrechte durch ein angebliches Gemeinwohlinteresse ausgehebelt werden, den schützt der gute Glauben an den Rechtsstaat nicht davor, ihm zu unterliegen. Wenn Lebensgrundlagen, auf die alle Menschen angewiesen sind, zugunsten partikulärer Interessen zerstört werden, ist dagegen gerichteter Widerstand nicht nur moralisch legitim. Er ergibt sich aus der schlichten Einsicht, daß die Diskrepanzen zwischen Rechtsansprüchen und Eigentumsinteressen auf der einen und Lebens- wie Naturschutz auf der anderen Seite nicht hinnehmbar sind. Zwischen Legalität und Legitimität aufklaffende Gewaltverhältnisse waren stets Gegenstand gesellschaftlicher Kämpfe und sind es auch im Hambacher Forst, wo meist jüngere Menschen die Frage nicht nur ihrer Zukunft, sondern der aller Lebewesen so ernst nehmen, daß es ihnen dabei um mehr geht als das Erreichen des Ziels, den Rest dieses Waldes zu erhalten.
Das zeigt sich zum Beispiel darin, daß die Verhinderung von Tierausbeutung für die meisten Aktivistinnen und Aktivisten nicht minder bedeutsam ist als der Schutz der pflanzlichen Natur. Eine ohne Tierprodukte auskommende Küche ist ebenso selbstverständlich wie etwa das Markieren von Wegen in den Waldlagern, um die unnötige Zerstörung der Vegetation zu vermeiden. Erfordernissen der Ernährung wird nicht nur durch Spenden aus dem Kreis der die
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Treffpunkt für ungestörte Gespräche
Foto: © 2014 by Schattenblick
Waldbesetzung unterstützenden Bevölkerung, sondern auch durch eigenen Anbau wie dem Sammeln der Früchte des Waldes Rechnung getragen. Auf dem Klimacamp 2013 im nahegelegenen, 2022 in der Hambacher Grube verschwindenden Manheim wurde die Frage der Ernährungssouveränität durch die Initiative Reclaim the
Fields thematisiert [3]. Sie widmet sich neben Methoden des den Boden schonenden Anbaus von Feldfrüchten auch der Analyse und Kritik des Verhältnisses von industrieller Raumforderung etwa durch die Braunkohletagebaue, des globalen Landraubes, des Verbrauchs von Nahrungsmitteln für Mobilitätszwecke und der Bedeutung des Klimawandels für die Ernährungssicherheit.
In Gesprächen mit einzelnen Aktivistinnen und Aktivisten wird häufig die Erweiterung des persönlichen Erfahrungshorizontes durch das Leben im Wald betont. Meist aufgewachsen in einer urbanen Umgebung, entdecken sie Qualitäten im direkten Kontakt mit der Natur, die einen anderen Umgang mit der eigenen Lebenswelt bewirken. War die zwar offenkundig zerstörerische, in der Übersetzung auf den globalen Klimawandel aber auch abstrakte Bedrohung durch Abbau und Verstromung der Braunkohle häufig der erste Anlaß, sich gegen die Zerstörung des Waldes zu engagieren, so besitzt das Leben ohne den üblichen Komfort moderner Wohnungen und Einkaufsmöglichkeiten ein eigenes Erkenntnispotential. Mit grundlegenden körperlichen Erfordernissen ohne vertraute Versorgungsinfrastruktur umzugehen, fördert nicht nur die Rückbesinnung auf elementare Formen der Lebenssicherung, sondern schafft auch Bewußtsein über die komplexen Abhängigkeitsverhältnisse des auf Reproduktion in der arbeitsteiligen Gesellschaft zugerichteten Menschen.
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Von daher ist es nicht erstaunlich, daß die Aktivistinnen und Aktivisten des Hambacher Waldes antikonsumistische und antikapitalistische Positionen vertreten. Von den Resten einer Produktivität zu leben, die bei aller Überproduktion für das Gros der Menschen unbezahlbarer Güter nicht in der Lage ist, deren materielle Grundbedürfnisse zu befriedigen, bietet sich allein schon deshalb an, weil das Ausmaß der Zerstörung nicht dadurch geringer wird, daß hier und dort ein nicht über Geld vermittelter Gebrauchswert abfällt. Dennoch bleiben bei der bloßen Verkehrung herrschender Verwertungsverhältnisse in eine Zurück-zur-Natur-Idylle all diejenigen Menschen unbedacht, die bereits jetzt auf niedrigstem materiellen Niveau überleben, weil das kapitalistische Weltsystem Zonen der sozialen Verelendung und materiellen Armut schon aus Gründen systematischer Kostensenkung erzeugt.
Gesellschaftliche Naturverhältnisse nicht dem ökologischen Antwortschema überlassen
Mit der Naturromantik früherer Lebensreformer sind die gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse ebensowenig aus ihrer entfremdenden und zerstörerischen Gewalt zu lösen wie durch ein Gebot ökologischer Nachhaltigkeit, das diese Verhältnisse lediglich grün einkleidet, um am Vorteil der hohen Stellung im globalen Pro-
duktivitätsgefälle nicht rühren zu müssen. Gesellschaftlich sind Naturverhältnisse sozial bestimmt, denn sie manifestieren sich innerhalb eines spezifisch menschlichen Horizonts, den zu öffnen für das Interesse anderer Lebewesen zu Fragen führt, deren Antworten mit den Mitteln positivistischer, den Primat des Nutzens, der sie hervorgebracht hat, nicht transzendierender Wissenschaften nur bedingt zu erwirtschaften sind.
Außerhalb der Kategorien dieses Nutzens darüber nachzudenken, warum der Wald schützenswert ist, führt zwangsläufig zu der Einsicht, daß er des Menschen nicht bedarf. Dessen Zugriff auf die Bäume als Produzenten einer Naturressource ist von dementsprechend einseitiger Art, sprich ignoriert das Eigenleben dieses Bioorganismus vollständig. Die Widersprüchlichkeit eines Mensch-Natur-Verhältnisses, das die Trennung der eigenen Existenz von den sie bedingenden Agenzien nur über die Abstraktion wiederum aus eigener Anschauung entstandener Kategorien vornehmen kann und somit im selbstreferentiellen Zirkelschluß befangen bleibt, produziert Antworten, die in den ihnen vorausgehenden Fragen bereits enthalten sind. Von "Umweltproblemen" zu sprechen, kann denn auch nur eine anthropozentrische Sicht reflektieren, die nichtmenschliches Leben auf eine Quantität eigenen Bedarfs reduziert, über die zu verfügen alles ausschließt, was diesem Interesse als unverfügbare Qualität entgegentritt.
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Ein herzliches Willkommen für die ganze Breite sozialer Kämpfe
Fotos: © 2014 by Schattenblick
Dies betrifft nicht nur menschliche, sondern alle Lebewesen, ziehen sich die gesellschaftlichen Gewaltverhältnisse doch quer durch alle sogenannten Arten und Spezies. Sich der Frage ihrer Überwindung zu stellen, wie es die radikalökologische Bewegung und die Aktivistinnen und Aktivisten im Hambacher Wald, wissentlich oder nicht, tun, bringt sie an die vorderste Front eines nicht nur theoretischen, sondern ganz lebenspraktischen Erkenntnishorizontes. Sich in ex-
ponierter Stellung mit der Staatsgewalt anzulegen und dabei Kriminalisierung und körperliche Schäden nicht zu scheuen, ist Ausdruck eines Grenzgangs, an dem sich die Geister der gesellschaftlichen Integration von der subjektiven Wirklichkeit selbstbestimmter Existenz scheiden. Die kategoriale Sozialisation nach Geschlecht, Hautfarbe, sozialer Herkunft und religiös-ideologischer Zugehörigkeit der Behauptung zu überantworten, die Irrealität der von Herr-
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Feldwirtschaft im Wiesenformat
Foto: © 2014 by Schattenblick
schaft und Raub freien Utopie ergebe sich folgerichtig daraus, daß sie in nämlichen Kategorien nicht anzutreffen ist, setzt mehr aufs Spiel, als die sogenannte Risikogesellschaft selbst bei denkbar größter Gewinnaussicht zu wagen imstande wäre.
Wurzeln schlagen zwischen den Welten
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Aus der - nach handelsüblichen Vorteilserwägungen zweifellos gegebenen - Unvernunft, einen angesichts vorherrschender Machtverhältnisse fast aussichtslosen Kampf zu führen, resultiert eine für soziale Bewegungen ganz praktische Konsequenz. Indem die Verteidigung natürlichen Lebens mit Formen kollektiver Organisation
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einhergeht, in denen Fragen der Verläßlichkeit und Solidarität, des Eigentums und Gebrauchs nicht vertraglich fixiert werden müssen, um dennoch tragfähige Strukturen und wirksames Handlungsvermögen hervorzubringen, dementieren sie die Notwendigkeit einer Professionalisierung, mit der über die Hintertür Einzug hält, was am Hauptportal angeblich abgewiesen wird. Die Auseinandersetzung um die Frage, inwiefern radikalökologischer Basisaktivismus eines Bewegungsmanagements bedarf, um seine Ziele besser vermitteln und erreichen zu können, oder ob die Verwendung PR-technisch aufgerüsteter Kommunikationsformen und die Beteiligung an Gremien, in denen sich Staat, Industrie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gegenübersitzen, nicht vor allem dazu dient, dem kapitalistischen Normalbetrieb unverträgliche Positionen unter Kontrolle zu bringen, wird mit der Verschärfung sozialer und ökologischer Widersprüche eher zu- als abnehmen.
Die hochgradige Adaptionsfähigkeit der warenproduzierenden Marktwirtschaft hat es bislang noch stets verstanden, antagonistische Bewegungen einzubinden und für ihre Zwecke nutzbar zu machen. Der grünkapitalistische Widerschein ihrer zerstörerischen Wirkungen vermeintlich entledigter Produktionszwänge überblendet die Aufrechterhaltung sozialer Hierarchien und globaler Ausbeutungsverhältnisse durch eine marktwirtschaftliche Regulationsweise, die die Zerstörung der Natur angeblich dadurch verhindert, daß
Fast unsichtbar in der Kuppel des Waldes
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sie ihren Preis hochsetzt. Der dafür zu erwirtschaftende Wert läßt sich allerdings nur über wachstumsfördernde Produktivitätskonkurrenz steigern, was die Verluste der Menschen, die die dabei angeeignete Arbeit erbringen, keineswegs durch erneuerbares Leben kompensiert. Recycelt wird der Anspruch auf Mehrwertabschöp-
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fung, nicht eine Natur, die in den idealisierten Konzepten geschlossener Kreisläufe unvergänglich erscheint und dennoch die Ohnmacht schmerzerfüllter Finalität erleidet. Wer sich der Scharade einer in der Zirkulationssphäre verbleibenden Schadensminimierung am besten zu bedienen und die gesellschaftlichen Naturverhältnisse grün genug zu waschen weiß, bewegt sich ganz vorne in einer Freßkette, die sich längst in tödlicher Umarmung um den Hals derjenigen gelegt hat, die noch nicht begriffen haben, daß Nachhaltigkeit ein Über-Leben meint, das den Frieden der Paläste auf den Trümmern eben nicht nachhaltig genug gebauter Hütten errichtet.
Über den Tellerrand eigener Bedürftigkeit hinaus ...
Daß ein Baum sich in der Luft wiegt und von Wasser durchströmt wird, in der Erde Wurzeln schlägt und dem Himmel entgegenstrebt, ohne dafür außer ihm liegender Zwecke und Ziele zu bedürfen, sollte genügen, den eigenen Anspruch auf Unverletzlichkeit und Schmerzfreiheit jedem Bioorganismus zuzugestehen, von dem der Mensch bestenfalls den hölzernen Brennwert kennt und diesem Unverständnis abzugewinnen weiß. Wie sonst sollte das sinnliche und empathische Empfinden, das der Verwertbarkeit und Kontrollierbarkeit menschlicher Subjektivität im Kern entgegensteht, die Grenzen der Individuation und die Fesseln der Bedürftigkeit spren-
gen, als durch die Befreiung des anderen Lebewesens?
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Fragen dieser Art entspringen nicht Religion oder Esoterik, sondern liegen auf der Linie einer menschlichen Geschichte, die das Anliegen der Emanzipation von Zwang und Gewalt bereits seiner streit-
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baren Wirkung im Kampf gegen diese Anmaßung schuldete. Das Subjekt der Beendigung der Herrschaft des Menschen über den Menschen nicht auf die selbstgezogene Grenze der Art oder Spezies zu reduzieren, bedeutet nicht, die soziale Frage zu biologisieren, wie es im Spätkapitalismus üblich ist, um vom materialistischen Kern seiner Widersprüche abzulenken. Teilen und Zählen, Vergleichen und Bewerten als Operationen, die dem Leben die Fessel
einer Ware aufherrschen, zu bestreiten, stellt auch die Klassifizierungen einer Wissenschaft in Frage, die die religiöse These von der Auserwähltheit des Menschen in der anthropologischen und geschichtspositivistischen Zwangsläufigkeit seiner Höherentwicklung säkularisiert. Was das alles mit sozialem und ökologischem Widerstand zu tun hat? Mehr auf jeden Fall als die Angst davor ahnen läßt, mit der Negation herrschender Verhältnisse zu scheitern.
Fußnoten:
[1] BERICHT/022: Bagger fressen Erde auf - Erkundungen in RWE-Land (SB)
http://www.schattenblick.de/infopool/umwelt/report/umrb0022.html
[2] http://hambacherforst.blogsport.de/media/hambacher-forst-film/
[3] http://www.ausgeco2hlt.de/klimacamp/hintergrund/braunkohle-und-reclaim-the-fields/
Aktuelle Beiträge zu den Tagebauen im Rheinischen Braunkohlerevier und den dagegen gerichteten Widerstand im Schattenblick unter
www.schattenblick.de → INFOPOOL → UMWELT → REPORT:
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BERICHT/075: Kohle, Gifte, Emissionen - Kontroversen, Bündnisse, Teil 1 (SB)
BERICHT/076: Kohle, Gifte, Emissionen - Kontroversen, Bündnisse, Teil 2 (SB)
BERICHT/077: Kohle, Gifte, Emissionen - Industrie vor Menschenrecht, Teil 1 (SB)
BERICHT/078: Kohle, Gifte, Emissionen - Industrie vor Menschenrecht, Teil 2 (SB)
BERICHT/079: Kohle, Gifte, Emissionen - Industrie vor Menschenrecht, Teil 3 (SB)
BERICHT/080: Kohle, Gifte, Emissionen - Altes Sterben, neuer Tod (SB)
INTERVIEW/113: Kohle, Gifte, Emissionen - Zerstörte Erde, zerstörte Würde, Heike Remberg im Gespräch (SB)
INTERVIEW/116: Kohle, Gifte, Emissionen - Wir weichen nicht ... Joachim Meier im Gespräch (SB)
INTERVIEW/117: Kohle, Gifte, Emissionen - Protest ohne Gegenliebe, Birgit und Andreas Cichy im Gespräch (SB)
INTERVIEW/118: Kohle, Gifte, Emissionen - Zerrüttet, kränker und allein, Thomas Landmann im Gespräch (SB)
26. Juni 2014
Copyright 2014 by MA-Verlag
Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
Nachdruck und Wiedergabe, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages.
Redaktion Schattenblick, Dorfstraße 41, 25795 Stelle-Wittenwurth
Telefon: 04837/90 26 98 · Fax: 04837/90 26 97
E-Mail: ma-verlag.redakt.schattenblick@gmx.de
Internet: www.schattenblick.de

SoVie -  Solidarische Vielfalt 

Kölner Gruppe gegen Braunkohle

 

Alle Aktivitäten ruhen zur Zeit !

SoVie hatte vor allem "Das Bündnis gegen Braunkohle im Rheinischen Braunkohle-Revier" unterstützt.

 

Mit folgenden Organisationen haben wir - SoVie - enger zusammengearbeitet:

 

http://www.ausgeco2hlt.de/

 

http://www.lebenslaute.net/

 

http://hambacherforst.blogsport.de/

 

http://www.tschoe-rheinenergie.de/

 

https://ende-gelände.org/

 

http://www.attac-koeln.de/

 

http://www.kritischeaktionaere.de/

 

http://www.netzwerk-zugabe.de/

 

auch mit folgenden Verbänden und Gross-Organisationen bzw. mit ihren regionalen Untergruppierungen:

 

http://www.bund-nrw.de/

http://www.greenpeace-koeln.de/

http://www.die-linke-im-regionalrat-koeln.de/aktuell/

http://www.nrw.rosalux.de/

 

und  auch nicht zuletzt mit verschiedenen Bürgerinitiativen im Rheinischen Braunkohlerevier u.a. mit

 

http://www.buirerfuerbuir.de/   in Buir in der Nähe des HAMBACHER FORSTES (Ur-Waldes)

 

http://www.ib50189.de/  (BI in Elsdorf-Berrendorf) am Tagebau Hambach

 

http://www.netzbege.de/    (Netzwerk Bergbaugeschädigter)

 

http://das-gelbe-band.com/   ( Wanlo - am Tagebaurand Garzweiler)

 

http://zukunft-statt-braunkohle.de/ueber-uns/  HIER :

vor allem mit "LOB - Leben Ohne Braunkohle - Pulheim-Stommeln"

 

mit der Bürgerinitiative gegen BoA-Erweiterung Niederaußem ( "Big BEN" )  (in Bergheim)

 

mit Engagierten Bürgern aus Niederzier ( zwischen den Tagebauen INDEN und HAMBACH )

 

ebenfalls mit Engagierten Bürgern aus Erkelenz und den Nachbar-Gemeinden, wie Borschemisch,

Keyenberg, Immerath usw. ( am Tagebau Garzweiler ) und vielen anderen, z.B. mit den

Künstler*innen gegen Braunkohle

 

 

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Der Sofortausstieg ist möglich!

 

 Atomkraft und Braunkohle auf einen Streich

von Anika Limbach, AntiAtomBonn


Es gibt Gerüchte, die sich hartnäckig halten. So behaupten viele Skeptiker, das sofortige Stilllegen der restlichen Atomkraftwerke sei nicht möglich wegen fehlender Kapazitäten. Andere glauben, ein Sofortausstieg schade dem Klima, da er mit einen höheren CO2- Ausstoß verbunden sei.

Beides ist jedoch falsch. Ein Blick auf die neusten Zahlen und Fakten bestätigt mehr denn je: Wir könnten sofort auf Atomstrom verzichten und gleichzeitig alle Braunkohlekraftwerke abschalten:

 

Datenquelle: Bundesnetzagentur November 2014

 

KURZFASSUNG:

Angenommen wird hier ein Extremfall, der im Grunde nur theoretisch auftritt, nämlich der Fall, dass bei extrem hohem Stromverbrauch in Deutschland die Sonne nicht scheint, der Wind nicht weht und darüber hinaus die gesamte Reserveleistung gebraucht wird.
Selbst in diesem Fall gäbe es ohne Atomkraftwerke noch eine Überkapazität von 21,7 GW! Eine gleichzeitige Stilllegung aller Braunkohlekraftwerke wäre also möglich, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.

Doch was ist mit der potentiellen "Stromlücke" in Süddeutschland, die ein Sofortausstieg angeblich mit sich bringt?
Bei genauer Betrachtung stellt sich heraus, dass Bayern (abzüglich der AKW) zur Jahreshöchstlast ein potentielles "Stromdefizit" von 1,4 GW zu verzeichnen hätte. Diese Unterdeckung ließe sich mittels der bestehenden Übertragungsnetze problemlos ausgleichen (siehe Langfassung).

Der Strompreis wird durch die Energiewende sinken, darin sind sich alle seriösen Fachleute einig. Auch kurzfristig gesehen müssten Normalverbraucher durch einen Sofortausstieg nicht unbedingt tiefer in die Tasche greifen.

 

Diese Aufstellung haben wir seit 2012 mindestens einmal jährlich aktualisiert. Dies ist nun die 4. Version.

In der Langfassung haben wir dieses Mal in der "regionalen Betrachtung" nicht nur Bayern, sondern auch Norddeutschland und den extremen Stromüberschuss an sehr windreichen Tagen in den Blick genommen:

Hier die Langfassung als pdf downloaden.

 

aktualisiert am 24.01.2015, Anika Limbach

 

 

 

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- diese Kraftwerke sind die grösste CO2 - Ursache in  Europa - der Betreiber RWE ist der grösste Klima-Killer

 

   Europas

 

-  u.a. Arsen, Stickoxide und das starke Nervengift Quecksilber,

 

   497 kg Quecksilber jährlich allein durch das Kraftwerk in Niederaußem.

 

 

 

Wir in Köln sind davon direkt betroffen:

 

- unsere Luft wird dadurch stark belastet, denn wir liegen in der Westwindzone.

 

- unser Trinkwasser besteht aufgrund der extremen Grundwasser-Absenkungen zum Teil

 

  aus Rheinuferwasserfiltraten und ist deshalb nicht frei von Schadstoffen

 

  aus der Industrie (trotz Wasseraufbereitung).

 

 

 

Darüberhinaus  gibt es in Köln selbst auch ein Braunkohlekraftwerk: in Merkenich.

 

 

 

Da kann es nur eine Konsequenz geben:

 

Der sofortige Ausstieg aus der Braunkohle ist notwendig!

 

Praktisch könnte dieser in 2-4 Jahren abgewickelt sein!

 

 

 

Wir engagieren uns gewaltfrei mit vielfältigen Mitteln, auch mit direkten Aktionen

 

des Zivilen Ungehorsams, für:

 

 

 

- Die sofortige Schließung des Braunkohle-Kraftwerks in Köln-Merkenich von Rheinenergie,

 

  der Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden und der Kraftwerke in Niederaussem, Neurath (I und II)

 

  Frimmersdorf und Weisweiler von RWE

 

 

 

- Eine echte Energiewende, u.a. Wind-und Solar-Energiegenossenschaften und

 

  Schutz der Wälder, sowie verantwortliche Nutzung der Böden (z.B. Solidarische  Landwirtschaften)

 

  damit für eine Energie-Demokratie von unten  in selbstverwalteten kleinen Einheiten anstatt der Dominanz

 

  der Energie-Konzerne. Damit haben wir auch erste Ansätze eines Konzeptes für eine "Zukunft ohne 

 

  Braunkohle" im Revier, im bisherigen "RWE-Land".

 

 

 

Dabei arbeiten wir u.a.  mit den verschiedenen Bürgerinitiativen im Revier, mit den AktivistInnen der   

 

Waldbesetzung "Hambacher Forst", mit "AusgeCO2hlt", in Köln mit "TschoeRheinenergie" und Attac Köln zusammen, mit dem Ziel:

 

eine gut vernetzte, solidarische und vielfältige Widerstandskultur wie im Wendland vor Ort hier in der Region mit aufzubauen.

 

 

 

Wir treffen uns im 2-Wochen Rhythmus dienstags um 18:30 Uhr im Allerweltshaus in Köln-Ehrenfeld.

 

6. 1. 2015  /  20. 1. 2015 / usw.

 

 

 

Wir bieten am jeweils 2. Sonntag im Monat  Touren zur Wald- und Wiesenbesetzung am
Hambacher Forst sowie zum Braunkohletagebau Hambach an.

 

Am 11. 1. 2015 / 8. 2. 2015 usw.:
Treffpunkt   I: Bahnhof Ehrenfeld um 11:20 Uhr, S-Bahn-Gleis Richtung Düren
Treffpunkt  II: Bahnhof Buir, Fahrkartenautomat an der Bushaltestelle:
                       kurz nach 12.00 Uhr, d.h. kurz nach Eintreffen des Zuges aus Köln
 
Mitfahrgelegenheit ab Bhf. Buir wird angeboten.

 

Anmeldung unter: alfred_weinberg@web.de oder 0172 4163788

http://sovie-koelner-gruppe-gegen-braunkohle.de/#

 

 

 

 

Hier machen wir mit:

Beispiel für das gemeinsame Engagement vom Bündnis gegen Braunkohle:

Ein offener Brief:

Für die Bündnispartner des „Bündnis gegen Braunkohle“ (Aktionsbündnis Stommeler Bürger Leben ohne Braunkohle, Ausgeco2hlt, Attac Köln, Bürgerintiative Buirer für Buir,Das gelbe Band, Die Linke SV Kerpen, Initiative Bergbaugeschädigte 50189, Occupy Köln, Solidarische Vielfalt Kölner Gruppe gegen Braunkohle)

 

Thomas Ristow

 

Kierdorfer Str.19

 

50196 Kerpen

 

An

 

Innenminister Ralf Jäger

 

Landrat Wolfgang Spelthahn, w.spelthahn@kreis-dueren.de

 

RWE Power AG, Opernplatz 1, 45128 Essen

 

Polizeidienststellen NRW, poststelle.lzpd@polizei.nrw.de

 

Fraktionsvorsitzende, Landtag NRW

 

SPD, Norbert Römer, norbert.roemer@landtag.nrw.de

 

CDU, Armin Laschet, armin.laschet@landtag.nrw.de

 

Grüne, Reiner Priggen, reiner.priggen@landtag.nrw.de

 

Piraten, Dr. Joachim Paul, joachim.paul@landtag.nrw.de

 

Westdeutscher Rundfunk, redaktion@wdr.de

 

Spiegel-Redaktion, spiegel_online@spiegel.de

 

Kölner Stadtanzeiger, Peter.Pauls@ksta.de

 

Ruhr Nachrichten, leserinfo@mdhl.de

 

Rundschau Online, online@mds.de

 

Kerpen, den 14. November 2014

 

Betrifft: Ereignisse im Hambacher Forst am 30.10.2014

 

Hiermit möchten wir möchten auf das Schärfste protestieren:

 

  • über die Festnahmen durch die RWE-Sicherheitsmitarbeiter,

  • das Verhalten der Polizei,

  • die Berichterstattung durch einige Medien.

 

Aus unserer Sicht scheint es eine Unverhältnismäßigkeit der Mittel bezüglich der Maßnahmen am 30.10.2014 zu geben.

 

Wir haben auf der einen Seite etwa 14 Naturschützer, junge Frauen und Männer im Alter von etwa 20-25 Jahren, die sich vegan ernähren und damit ihr Interesse bekunden, anderen Lebewesen kein Leid zuzufügen.

 

Demgegenüber stehen ca. 12 Sicherheitsmitarbeiter der RWE Power AG und später mehrere Hundertschaften von Polizisten mit Hunden.

 

Aus den Berichten der jungen Menschen haben wir erfahren, dass die Sicherheitsmitarbeiter mit Stöcken bewaffnet waren und die Naturschützer einseitig angegriffen haben.

 

Nach den Skandalen wegen des Verhaltens von privaten Sicherheitsmitarbeitern in den Flüchtlingsheimen möchten wir nun gerne wissen: Welche Ausbildung haben die Sicherheitsleute der RWE Power AG? Welche Qualifikationen werden erwartet? Besteht eine Schulung bzw. Ausbildung im Konfliktmanagement? Haben die Personen eine Fortbildung bzw. Erfahrung in Deeskalation? Soweit wir informiert sind, gibt es eine genaue Festlegung der Kompetenzen von Sicherheitskräften: sie dürfen reden, die Polizei rufen und Menschen mit begrenzten Mitteln festhalten. Würgen, Schlagstockeinsatz, das Benutzen von Kabelbindern, Einsperren in Bauzäunen und Bedrohungen gehören nicht dazu!

 

Uns ist mitgeteilt worden, dass die Sicherheitsmitarbeiter der RWE sich den Naturschützern aggressiv und provokant genähert haben. Sie sollen, mit Stöcken bewaffnet, sich auf einen jungen Mann gestürzt haben und ihn mit Schlägen attackiert haben.

 

Junge Frauen sind nach unseren Informationen auf die Erde gedrückt worden, man hat ihnen die Gelenke verdreht, sie bedroht und beschimpft. Uns wurde von verschiedenen verbalen, sexuell diskriminierenden Äußerungen berichtet. So wurde eine junge Frau ständig mit „Baby“ angesprochen. Außerdem wurde von einer jungen Frau berichtet, die an diesem Tag ein Kleid an hatte, dass man ihr, während sie gefesselt auf dem Boden lag, das Kleid hochgezogen hat. Dies sind eindeutig erniedrigende sexuelle Demütigungen! Den jungen Menschen wurden mit Kabelbindern die Hände verbunden und sie mussten ca. 2 Stunden auf dem Boden liegend ausharren, bis die Polizei kam. Beweismittel dieser Situation wurden beschlagnahmt, durch die Polizei eingezogen und sind bis heute nicht aufgetaucht.

 

Nun kommt unser zweites Unverständnis:

 

Wie kann es sein, dass die Polizei erst ca. 2 Stunden später kam, aber dafür in mehreren Hundertschaften und mit Hunden.

 

Wir vermuten, dass man davon ausging, dass die Naturschützer sich straffällig verhalten haben. Allerdings konnte man die Straftaten nicht benennen. Obwohl es die Aufgabe der Polizei ist, in alle Richtungen zu ermitteln, hat man hier offensichtlich die jungen Menschen vorverurteilt und wie Schwerverbrecher behandelt.

 

Diese unverhältnismäßige Behandlung wurde in den Arrestzellen der Polizei weitergeführt. So hat man ihnen beispielsweise keine vegane Nahrung zukommen lassen.

 

Uns erscheint es absurd, dass man den Naturschützern nicht nur die Rolle der einseitigen Aggressoren zuerkennt, sondern dass sie als „Bombenleger“ diskreditiert werden, so wie es auch in der Presse später verbreitet wurde.

 

Dass im Hambacher Forst Waffen aus dem 2. Weltkrieg liegen, ist hinlänglich bekannt. Den Naturschützern zu unterstellen, diese zu gebrauchen, um Menschen zu schädigen, ist Rufmord.

 

Vielmehr stellen wir uns die Frage, warum solche gefährlichen Kampfstoffe überhaupt noch im Wald liegen und nicht bereits beseitigt bzw. entschärft wurden.

 

Menschen, die bereit sind, für das Allgemeinwohl (Klimaschutz) mit Engagement einzutreten, wurden in der regionalen und überregionalen Presse als Kriminelle dargestellt.

 

Es scheint sich aus unserer Sicht um eine zweckgebundene Kriminalisierung und Propaganda zu handeln, um die privaten Interessen eines Energiekonzerns zu schützen und das unverhältnismäßige Agieren der Polizei zu legitimieren.

 

Wir bezweifeln die Rechtmäßigkeit dieser unverhältnismäßigen Polizeiaktion! Vor diesem Hintergrund bitten wir daher um die umgehende Freilassung des jungen Mannes, der sich noch in Aachen in Haft befindet!

 

Wir bitten die Zuständigen um Klärung und erwarten selbstverständlich von den zuständigen Behörden Neutralität, Unvoreingenommenheit und Augenmaß.

 

So kann es nicht sein, dass bei der Demonstration der Hooligans in Köln bei 5.000 zum Teil alkoholisierten und bekannt gewaltbereiten Demonstranten 1.500 Polizisten im Einsatz waren, und im Hambacher Forst bei höchstens 25–30 Naturschützern mehrere Hundertschaften von Polizisten mit Hunden.

 

Diese Diskrepanz bitten wir zu klären und zu erklären!

Für das Bündnis gegen Braunkohle Thomas Ristow

Absender

Für die Bündnispartner des „Bündnis gegen Braunkohle“

Thomas Ristow

Kierdorfer Str.19

50196 Kerpen